Bad Belzig

Giese-Orgel klingt endlich in Sankt Marien

Fünf Jahre lang lag sie herum, nun ist sie mithilfe einiger finanzieller Anstrengungen endlich saniert: Die Giese-Orgel in Sankt Marien zu Bad Belzig klingt wieder. Verantwortlich für die aufwendige und teure Restaurierung zeichnet die Schuke-Werkstatt in Werder.

Die alte Giese-Orgel, die nach erfolgter Sanierung nun wieder bespielbar ist und in Bad Belzig Dienst tut.

Bad Belzig. Seit fünf Jahren steht die alte Orgel der Ilbersdorfer Kirche nun schon im Orgelmuseum der Bad Belziger St. Marienkirche. „Sie ist eigentlich eine Flüchtlingsorgel, die bei uns Asyl gefunden hat“, bemerkt Kantor Winfried Kuntz im Gespräch mit Pfarrer Matthias Stephan.

Auf der Suche nach einem exklusiven Namen für das Instrument hatte letzterer ihm eigentlich „die alte Dessauerin“ vorgeschlagen. Letztendlich entschieden sich beide jedoch dafür, die 1867 durch den Dessauer Hoforgelbauer Friedrich Giese für die Dorfkirche in Ilbersdorf gebaute Orgel – wird über sie gesprochen – nur nach deren Schöpfer zu benennen oder sie nach ihrer Herkunft als „alte Ilbersdorferin“ zu bezeichnen.

Mit einem Wandelgottesdienst wurde das Instrument dieser Tage wieder in Dienst gestellt. 20 000 Euro hat der Verein Musica Viva in die Sanierung der alten Orgel zuvor investiert. Weitere 10 000 Euro sind aber noch erforderlich, um die damit in Zusammenhang stehenden Arbeiten komplett abschließen zu können.

Wann der Verein dazu in der Lage ist, vermag der Kantor nicht zu sagen. „Wir haben uns kein Ziel gesetzt. Jetzt sind wir einfach nur glücklich, dass die Orgel wieder spielbar ist und in die Orgelführungen einbezogen werden kann“, so Kuntz. Ferner kommt er auf eine Besonderheit des inzwischen stolze 150 Jahre alten Instruments zu sprechen. „Sie verfügt über ein Register, das die anderen Orgeln im Museum nicht haben – eine so genannte Gambe.“ Die darauf folgende musikalische Kostprobe wiederum verrät, dass deren Klang mit dem eines Streichinstruments durchaus vergleichbar ist.



Förderverein engagiert sich seit drei Jahren

Der Förderverein Musica Viva startete bereits 2014 eine Spendenaktion zur Sanierung der Papenius-Orgel in der Bad Belziger St. Marienkirche.
Nach erfolgreichem Abschluss widmete er sich unter anderem der Rettung der Giese-Orgel aus Ilbersdorf.
Aktuell zählt das Orgelmuseum neun Instrumente, auf denen Orgelwerke aus der Barockzeit, der Romantik und der Neuzeit gespielt werden können.
Als Neuzugang steht die im 19. Jahrhundert durch den Wittstocker Orgelbaumeister Friedrich Hermann Lütkemüller für die Kirche in Kriele im Havelland geschaffene Orgel in Aussicht.


Kuntz blickt zurück auf das Schicksal des Instruments, das allein dank des Engagements des hiesigen Fördervereins wieder zu Stimme gekommenen ist. Im Jahr 2006 wurde die Dorfkirche, für die Giese sie dereinst baute, baupolizeilich dicht gemacht und zugleich beschlossen, dass das Gemäuer für gemeindliche Zwecke nicht mehr hergerichtet wird. Das Schicksal der Kirche bestimmte damit auch jenes der Orgel. 2011 zog schließlich ein Tornado über den Ort hinweg. Die Spuren, die er am ohnehin gebeutelten Gotteshaus hinterließ, waren groß. In dieser Folge hatte sich die Kirchendecke bereits auf das Instrument gelegt.

Martina Apitz, Kuntz’ Kollegin im sachsen-anhaltinischen Köthen, kannte sowohl das eigentlich erhaltenswerte Instrument als auch die Bemühungen des Bad Belziger Kantors um den Aufbau eines eigenen Orgelmuseums in der Kreisstadt. Sie bat also den hiesigen Musikexperten, sich die noch im original erhaltene Orgel einfach einmal anzusehen.

„Daran erinnere ich mich noch ganz genau. Der Turm war ohne Dach, die Glocken hingen frei. Der Abriss der Kirche war schon geplant“, sagt der Kantor, der das Besondere des Instruments damals sofort erkannt hatte.

Die Dinge fügten sich: Dank einer Spende gelang es im Jahr 2012, die Orgel aus ihrer misslichen Lage quasi zu befreien. Sie wurde abgebaut und nach Bad Belzig gebracht. Hier im Museum angekommen, blieb das königliche Instrument jedoch vorerst ein unvollendetes. Die verwaiste Kirche in Ilbersdorf hatte eine Marderfamilie dazu animiert, in der Orgel Wohnung zu beziehen – arge Schäden an den kleinen Metallpfeifen und an der Spieltraktur waren die Folge.

Also konnte anfangs nur das Orgelgehäuse aufgebaut werden. Alle anderen Teile wurden zunächst einmal eingelagert, bis im vergangenen Jahr schließlich die Restaurierung in der Schukeschen Orgelbauwerkstatt in Werder beginnen konnte.

Nachdem jüngst endlich der technische Teil der Wieder-Instandsetzung abgeschlossen wurde, bereichert die alte Ilbersdorferin nunmehr im Bad Belziger Gotteshaus ihre klangvollen Schwestern um eine weitere Stimmfarbe.

Vorbei ist damit die quälend lange Zeit, in der die Orgel zum Schweigen verurteilt war.

Von Christiane Sommer

Märkische Allgemeine vom 05. Oktober 2017

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