Ferchesar

Festgottesdienst für Sanierung der Dorfkirche

Mit einem Festgottesdienst ist am Sonnabend der Abschluss des 1. Bauabschnitts zur Sanierung der Dorfkirche von Ferchesar gefeiert worden. Stattliche 450 000 Euro sind investiert worden. Schwerpunkte der Arbeiten waren das Dach, der Turm und der Fachwerkputz.

Beim Festgottesdienst in der Kirche, vorn sitzend von links Stefan Huth, Arnulf Kraft und Thomas Tutzschke.
Quelle: Norbert Stein
 
Nach dem Gottesdienst gab es vor der Kirche ein gemeinsames Kaffeetrinken.
Quelle: Norbert Stein

Ferchesar. Dankbarkeit, Zuversicht und Stolz prägten die Stimmung. Die Evangelische Reformationsgemeinde Westhavelland, der Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche, Christen, Einwohner und Gäste feierten am Samstag mit einem Festgottesdienst in Ferchesar den Abschluss des 1. Bauabschnitts zur Sanierung des Gotteshauses. Der Heimatchor Ferchesar sang „In Gottes Namen fing ich an ...“, weitere festliche Lieder und zollte den Bauarbeitern mit einem Ständchen seine Anerkennung für das in den letzten Monaten verrichtete Werk.

Michael Reinecke spielte die von ihm zuvor restaurierte Chorraumorgel. „Heute ist ein besonderer Tag“, sagte Superintendent Thomas Tutzschke zu Beginn seiner Festpredigt und lobte: „Die Ferchesarer Kirche in der Mitte des Ortes ist wieder ein Hingucker.“ So ist es.

2016 planten Architekten das Sanierungsvorhaben. Im Frühjahr dieses Jahres wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Gebälk wurde ausgewechselt, das Dach des Kirchenschiffes und die Turmhaube neu eingedeckt. Die Turmkugel strahlt wieder in neuem Glanz, ebenso der Fachwerkputz am Kirchenschiff wieder in original roter Farbe. Am Gesims wurde Hand angelegt und viele weitere Arbeiten zum Erhalt der Kirche verrichtet. Rund 450 000 Euro wurden in den 1. Bauabschnitt investiert. Das Land förderte die Kirchensanierung mit 300 000 Euro aus dem europäischen Fonds zur ländlichen Entwicklung. „Europa ist heute unter uns“, sagte Andreas Tutzschke, Vorsitzender der Evangelischen Reformationsgemeinde Westhavelland, zu der Ferchesar und weitere 15 Dörfer gehören, zur Eröffnung des Festgottesdienstes. Die notwendigen 150 000 Euro Eigenmittel zur Gesamtfinanzierung konnte die Kirchengemeinde mit Hilfe des Fördervereins, des Kirchenkreises und der Landeskirche sichern.

Andreas Tutzschke nutzte den von Pfarrer Stefan Huth geleiteten Festgottesdienst für eine Rückblende auf den Anfang der am Samstag von allen Rednern gewürdigten Geschichte zur Sanierung der Kirche. Begonnen hat alles schon vor zwölf Jahren. Die Reformationsgemeinde hatte sich zum Erhalt ihrer 16 Kirchen bekannt. 2005 nutze ein Mann den Heilig-Abend-Gottesdienst in der Kirche Ferchesar als „Wachrüttler“. Es könnte bald der letzte Gottesdienst gewesen sein, wenn man sich nicht für eine dringend notwendige Sanierung der Dorfkirche engagiert, sagte er. Im Sommer 2006 wurde unter seinem Vorsitz der Förderverein zum Erhalt der Dorfkirche gegründet. Beim Festgottesdienst am Samstag konnte Ralf Kuberski nicht mehr dabei sein. Er ist vor wenigen Wochen gestorben. Ihm zu Gedenken zündete Andreas Tutzschke eine Kerze an.

Sein Startkapital erhielt der Förderverein im Jahr 2007

2007 erhielt der Förderverein 2500 Euro Startkapital vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, dessen Beauftragter für das Havelland, Arnulf Kraft, zu den Gästen des Festgottesdienstes gehörte. Als Erinnerung und Anerkennung übergab er am Samstag der Reformationsgemeinde eine Bibel, die anschließend vom Superintendenten signiert wurde. Für den Förderverein dankte dessen Vorsitzender Matthes Mustroph und weitere Mitglieder mit in Versen gehaltenen Worten Andreas Tutzschke für die Unterstützung bei der Realisierung des 1. Bauabschnitts. Seitens der Kommune würdigte Gemeindebürgermeister Michael Spieß die Dorfkirche als eine Begegnungsstätte für Kunst und Kultur im Dorf.

Nach einer Kaffeetafel im Freien sang der Heimatchor Ferchesar in der Kirche und wurde vom Bürgermeister und vom Ortsvorsteher Lorenz Rauser für sein 40-jähriges Bestehen geehrt. Blumen überreichten sie Bärbel Kolbatsch-Weremschuk. Sie leitet seit 20 Jahren den Heimatchor. Zuvor hatte zum Abschluss des Festgottesdienstes seitens des Förderkreises Mathias von Bredow die Besucher darum gebeten, für einen zweiten notwendigen Bauabschnitt nicht nur ihre Herzen zu öffnen, sondern am Ausgang der Kirche auch das Portemonnaie für eine Spende.



Vor zwölf Jahren fing alles an

2005 beim Gottesdienst am Heiligabend rief Ralf Kuberski dazu auf, mit der dringend notwendigen Sanierung der Ferchesarer Dorfkirche zu beginnen.
2006 im Sommer wurde der Förderverein zum Erhalt der Kirche gegründet.
2007 erhielt der Förderverein sein Startkapital: 2500 Euro vom Förderkreis Alte Kirche Berlin-Brandenburg.
2016 begann die Planung der Sanierungsarbeiten.
2017 im Frühjahr begann der 1. Bauabschnitt, der jetzt abgeschlossen ist.


Der Sockel der Dorfkirche muss noch saniert und im Inneren renoviert werden. Dafür werden noch einmal rund 100 000 Euro benötigt und der Förderverein wird nicht müde werden, für das Vorhaben weiterhin Geld einzusammeln.

Von Norbert Stein

Märkische Allgemeine vom 22. Oktober 2017

   Zur Artikelübersicht