Verjüngungskur für Schlepziger Kirche

Überraschung bei Kirchensanierung

Schlepzig. Gesamte Innenbereich des Schlepziger Gotteshauses war mit Lehm und Stroh verputzt.

Bauleiter Ronny Behrendt, Superintendent Thomas Köhler und Architektin Sabine Gärtner (v. r. n. l.) vom Kirchlichen Bauamt begutachten die sanierten Gefache an der Fachwerkkirche in Schlepzig.
FOTO: Franziska Dorn / Dorn Franziska

An der Schlepziger Kirche (Dorfkirche des Monats März 2017) wird seit Monaten gearbeitet, was mit dem Bauzaun und der partiellen Einhüllung der Kirche gut sichtbar ist. Wo sonst üblicherweise Touristen unterwegs sind, sah man in den vergangenen Wochen vor allem Handwerker ein- und ausgehen.

An der im 18. Jahrhundert erbauten Kirche haben Schädlinge Teile des Fachwerks zunichtegemacht. Auch mussten einige Gefache erneuert werden. Unter Federführung von Bauleiter Ronny Behrendt vom Bauplanungsbüro IBS in Hoppegarten hatte zunächst Restauratorin Anke Höchel-Pradel ihre Arbeit aufgenommen.

Das Ergebnis blieb nicht ohne Überraschungen. Zunächst habe man einen sehr ungewöhnlichen zweilagigen Wandaufbau freigelegt. In den Gefachen fand man die für damaliges Bauen üblichen Lehmstaken und Steine. Erstmalig habe sie aber gesehen, dass mit einer zweiten Lage aus Lehm und Stroh der gesamte Innenbereich des Gotteshauses verputzt wurde. „Diese Art Wandaufbau ist eher selten“, erklärt die Expertin. Freudig verweist sie außerdem auf mehr als 14 Farbnachweise im Innenbereich. „Man kann davon ausgehen, dass wir die farbliche Innengestaltung der Kirche von ihrer Errichtung an komplett nachweisen können. Dabei waren die Kirchengemeinden durchaus mutig bei der Farbgebung. Von Rosa bis Ocker über Blau und Beige reichte das Spektrum. Generelle Gestaltungsnachweise gibt es allerdings nicht. Dennoch ist das Ergebnis für uns Restauratoren interessant“, berichtet sie weiter.

Begleitet wird die Baumaßnahme von Architektin Sabine Gärtner vom Bauamt der evangelischen Landeskirche und der Denkmalschutzbehörde des Landkreises. Beide Behörden werfen bei regelmäßigen Vor-Ort-Terminen nicht nur ein wachsames Auge auf die Baumaßnahme. Die Institutionen sind auch mit Fördergeld dabei. Aus den Mitteln des Staatskirchenvertrages, die von der Landeskirche ausgegeben werden, erhält die Kirchengemeinde in Schlepzig 60 000 Euro und weitere 30 000 Euro von der Landeskirche. Der Landkreis Dahme-Spreewald hat 30 000 Euro bewilligt. Und auch der Kirchenkreis Niederlausitz unterstützt in Schlepzig mit 30 000 Euro. Die Kirchengemeinde leistet einen Eigenanteil von 15 000 Euro.

Solange die Bauarbeiten an der Schlepziger Kirche andauern, lädt Pfarrerin Alina Erdem zu Gottesdienst in den Gemeinderaum ein. Die Touristen, die gern die farbenprächtige Bemalung und das barocke Innenleben bewundern, müssen noch etwas Geduld haben.

LR ONLINE vom 23. Oktober 2017

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