SANIERUNG DER DORFKIRCHE SENFTENHüTTE IN VOLLEM GANGE / PFARRERIN CORNELIA MüLLER HOFFT AUF WEIHNACHTSGOTTESDIENST IN DIESEM JAHR

Ziegel für Ziegel

Julia Lehmann

Senftenhütte (MOZ) Seit knapp fünf Monaten steht sie eingerüstet da, die Dorfkirche in Senftenhütte (Dorfkirche des Monats November 2016). Doch die Sanierung geht gut voran. Zeit, sich ein Überblick über die Bauarbeiten an dem Hugenottenerbe zu verschaffen. Der erste Bauabschnitt könnte in diesem Jahr beendet werden.

Soll wieder läuten: eine einzelne Glocke aus Stahl. Eine Treppe und drei Leitern führen Pfarrerin Cornelia Müller in den Kirchturm.
© Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Arbeit in luftiger Höh': Leuchtend rot sind die Biberschwanzziegel, mit denen Carsten Weber (vorn) von der Holzmanufaktur Weber das Dach der Senftenhütter Kirche eindeckt.
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Eingerüstet, Fenster dicht: die Kirche als Baustelle
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Zwei Männer balancieren auf den nackten Dachbalken, die goldfarben über dem Kirchenschiff liegen. Mühsam legen Carsten Weber und sein Kollege von der Holzmanufaktur Weber aus Groß Ziethen Dachziegel für Dachziegel eng aneinander die Holzbalken entlang. Die neuen naturroten Dachziegel wirken noch etwas fremd zum Rest der kleinen Senftenhütter Dorfkirche. Ist die kleine Feldsteinkirche in der Dorfmitte aber erst einmal fertiggestellt, soll sich alles ineinander fügen, sagt Carsten Weber.

Das zum reformierten Kirchenkreis gehörende Gotteshaus wird seit Juni schon aufwendig saniert. Erste Bemühungen darum habe es bereits 2004 gegeben, schätzt Cornelia Müller, die seit 2013 auch für Senftenhütte zuständige Pfarrerin ist. Stützgerüste garantieren schon seit mehreren Jahren von innen heraus, dass die Kirche nicht in sich zusammenfällt. "1806 wurde die Kirche schon einmal komplett neu errichtet", sagt sie. 1936 wurde der Kirchturm gebaut. In ihm hängt nur eine einzige Stahlglocke. Die leeren Vorrichtungen daneben deuten aber darauf hin, dass hier einst zwei weitere läuteten. Der Zahn der Zeit hat also schon lange an der Kirche genagt. Es wurde Zeit, dass etwas passiert, findet Cornelia Müller.

Hausbockkäfer haben dem Dachbalken stark zugesetzt. Die Tiere lieben besonders die Feuchtigkeit in Verbindung mit stark eiweißhaltigem Kiefernsplintholz und fanden unter dem Dach der Kirche gute Bedingungen. Dieses Bild hat sich den Arbeitern ergeben, als sie einen Teil der Dachabdeckung der kleinen Kirche entfernten. Das Team kommt nicht umhin, einzelne Bereiche zu tauschen. "Das führt uns die Dringlichkeit der Sanierung wieder vor Augen", schreibt Architekt André Degenhardt vom Planungsbüro ibs in Hoppegarten in das Bautagebuch, dass der unterstützende Verein "Lebendiges Hugenottenerbe" online zu den Bauarbeiten führt.

Die Arbeiten am Dachstuhl sind nahezu abgeschlossen. Balkenköpfe wurden erneuert, die Schwelle eingezogen. Das Dach wird gerade mit naturroten Biberschwanzziegeln neu gedeckt. Eine Weile werden die Arbeiten am Dach noch in Anspruch nehmen, sagt Carsten Weber von der Holzmanufaktur. "Es ist aber wichtig, vor der ersten Schlecht-Wetter-Phase mit der äußeren Hülle fertig zu sein", so der Fachmann. Sonst regnet es hinein. Besonders freut es Weber, dass die Gesimssteine, die sich unter der ersten Ziegelreihe befinden, gesäubert und wiederverwendet werden konnten. Im Inneren sind einige Renovierungs- und Malerarbeiten nötig. Wie schnell diese vorangehen, weiß Weber im Moment noch nicht.

Ähnlich von der Witterung betroffen wie der Dachstuhl ist das Feldsteingemäuer. Die Fugen sind zum Teil stark ausgewaschen. Einige Stellen müssen aufwendig neu gezwickelt werden. Eine besonders große Herausforderung stellt dabei die Auswahl des richtigen Mörtels dar, der die Erscheinung der Kirche am Ende beeinflussen wird. Geht es nach Cornelia Müller würden in diesem Jahr bereits wieder Konzerte und der Weihnachtsgottesdienst in Senftenhütte stattfinden.

135 000 Euro betragen allein die Kosten für den ersten Bauabschnitt, das Kirchenschiff. Das ist natürlich für einen Verein mit 100 Mitgliedern nicht zu stemmen. Der Landkreis Barnim, der Verein Alte Kirchen, die Stiftung KiBa sowie der Förderkreis Alte Kirchen unterstützen die Finanzierung. Der Eigenanteil beträgt 65 000 Euro. Möglich wird das durch Unterstützer wie die Kirchengemeinde, dem Kirchenkreis, die Landeskirche sowie Spenden.

Ein zweiter Bauabschnitt widmet sich dem Kirchturm. Dadurch, dass dieser weit später entstanden ist, als das Schiff halten sich die Kosten hierfür mit 35 400 Euro in Grenzen.

MOZ.de vom 25. Oktober 2017

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