Walddrehna

Mittelalter-Malerei und ein Wunder

Walddrehna. Innensanierung der Kirche Walddrehna bringt überraschend ein mittelalterliches Fenstergewände zum Vorschein. Von Birgit Keilbach

Die mittelalterliche Wandmalerei in der Apsis der Walddrehnaer Kirche, auf dem Foto über der Sakramentsnische, ist freigelegt und restauriert worden. Fördervereinsvorsitzende Annegret Gehrmann und Architektin Katharina Buchwald (v.r.) stimmen die nächsten Arbeitsschritte ab.
FOTO: Birgit Keilbach
 
Im Zuge der Innensanierung wurde auch der historische Leuchter im Kirchenschiff aufgearbeitet und strahlt jetzt wieder in seinem ursprünglichen goldenen Glanz.
FOTO: Birgit Keilbach

Das Gerüst ist abgebaut, der Blick frei auf die Ornament-Bemalung auf dem Triumphbogen und an den Wänden der Apsis in der Walddrehnaer Dorfkirche. Mehrere Wochen lang waren die Restauratoren im mittelalterlichen Gotteshaus bei der Arbeit, trugen zahlreiche Putz- und Farbschichten ab. Die darunter erhalten gebliebenen mittelalterlichen Ornamente sind jetzt komplett restauriert. „Sie sind in dem für diese Zeit typischen Dunkelrot gehalten, wie es auch in weiteren Kirchen der Umgebung, zum Beispiel in Waltersdorf und Riedebeck zu sehen ist“, erläutert Annegret Gehrmann, Vorsitzende des Förderkreises Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz. Dass es diese Malereien auch in Walddrehna gibt, sei schon länger bekannt gewesen. Wo genau sie sich befinden, musste erst herausgefunden werden. „Dafür erfolgten sehr umfangreiche Sondierungen und Voruntersuchungen“, erläutert sie.

Noch verborgen blieb dabei ein mittelalterliches Fenstergewände, das erst in diesem Jahr unter dicken Putz- und Farbschichten zum Vorschein kam. Direkt hinter dem Altar, an der Stirnseite der Apsis, gab es früher ein weiteres, schmales Fenster, das später mit Mauersteinen verschlossen und verputzt wurde. „Dadurch ist das Gewände nahezu komplett und in relativ gutem Zustand erhalten geblieben. Das ist für eine Dorfkirche schon ein kleines Wunder“, erläutert Annegret Gehrmann. Bei einem Informationsabend über die Kirchenraumsanierung werden Interessierte mehr über die Malereien und diese Entdeckung erfahren.

Bis dahin soll der Sockel einen neuen Putz erhalten, damit das Mauerwerk wieder atmen kann. Der vorher angebrachte Zementputz verhinderte das und beförderte ständige Feuchtigkeit in den Wänden, wie sie erläutert. Kondenswasserrinnen an den Fenstern werden künftig dort entstehende Feuchtigkeit ableiten.

Dann wird auch der insgesamt fünfte Bauabschnitt an der Walddrehnaer Kirche abgeschlossen sein. Seit 2011 hat das Gebäude bereits in drei Bauabschnitten eine gründliche Sanierung der Außenhülle erfahren. Der mittelalterliche Außenputz wurde gesichert, der hölzerne Glockenstuhl im Turm erneuert und blecherne Gitter über den Schallluken angebracht. 2012 kam das Kirchendach in die Kur, die historischen Holzfenster wurden komplett restauriert und auch die Türblätter von West- und Südtür aufgearbeitet. Ein gepflasterter Weg sorgt seitdem für sicheren Zugang. 2016 wurde im ersten Bauabschnitt der Innensanierung durch den Einbau einer Holzstiege ein Zugang zum Dachboden geschaffen, den es vorher nicht gab. „Die Holzdecke wurde repariert und gestrichen und die aus der Mauer- und Dachsanierungsphase noch vorhandene schadhafte Mauerlatte auf der Innenseite entfernt“, zählt Annegret Gehrmann Arbeiten auf.

In goldigem Glanz erstrahlt jetzt auch wieder der Leuchter im Kirchenschiff, denn diesen hatte er völlig verloren. „Die ursprüngliche Goldbrenne, ein vor Korrosion schützendes Gemisch aus Salpeter und Schwefelsäure, hatte sich durch klimatische Einflüsse allmählich in ein dunkles Braun verwandelt“, erläutert Annegret Gehrmann. Auch der zwischenzeitliche Anstrich mit Goldbronze durch die Kirchengemeinde half nicht lange. Zudem fehlten einige Teile und auch die Elektroanlage musste komplett erneuert werden. „Jetzt glänzt er wunderschön“ freut sich die Fördervereins-Vorsitzende.

LR ONLINE vom 02. November 2017

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