RESTAURATOREN ARBEITEN IM CHORRAUM DER STADTKIRCHE ALTLANDSBERG / SANIERUNG LäUFT BIS ENDE 2018

500 Jahre alte Bemalungen

Detlef Klementz

Altlandsberg (MOZ) In der Stadtkirche Altlandsberg sind derzeit Restauratoren am Werk. Sie sind im Chorraum damit beschäftigt, dicke Putzschichten zu entfernen und alte Malereien wieder sichtbar zu machen. Die Bemalungen sind mehr als 500 Jahre alt. Derweil gehen die anderen Sanierungsarbeiten weiter.

Fratzenbild: Julia Steinhagen macht derzeit mit anderen Restauratoren gut 500 Jahre alte Bemalungen im Chorraum der Stadtkirche Altlandsberg wieder sichtbar. Die Experten wollen im März fertig sein.
© Foto: MOZ/Gerd Markert

Alicia Pasternak schabt hoch oben im eingerüsteten Chorraum der Stadtkirche Altlandsberg ganz vorsichtig am hellen Putz. Die Restauratorin hat neben einem der Kirchenfenster alte Malerei freilegt. An anderen Stellen sind Kolleginnen der jungen Frau tätig. Einige Zeichnungen sind schon in Gänze zu sehen. Beispielsweise große Fratzen. "Die dienten damals zur Abschreckung", sagt Tom Zimmermann aus Potsdam, der das kleine Restauratoren-Team leitet.

Damals, das war so um 1500 herum, als die Wand- und Deckenmalereien in der Feldsteinkirche entstanden. Die war im Jahre 1250 erbaut worden und ist heute das älteste Bauwerk der Ackerbürgerstadt.

Um die Malerei freizulegen, müssen sich die Restauratoren durch eine ein bis drei Zentimeter dicke Putzschicht durcharbeiten. Tom Zimmermann geht davon aus, dass er und sein Team im März nächsten Jahres fertig sein werden. Bis dahin wollen sie die Malerei an der Ostwand des Chores konserviert, die übrigen Wände gesäubert und gestrichen sowie die Gewölberippen besonders behandelt haben. Manches wird nur fragmentarisch dargestellt, anderes, was als nicht so historisch wertvoll erachtet wird, bleibt weiter unberührt unter dicken Putzschichten.

Pfarrer Johannes Menard sind im Zuge der Sanierungsarbeiten eine Fußboden- und auch eine Wandflächenheizung wichtig. Letztere sei inzwischen wohl "nicht mehr strittig", glaubt er. Wie überall, so hat der Denkmalschutz auch in dieser Frage ein entscheidendes Wort mitzusprechen. So ist wohl klar, dass der Fußboden aus dem 19. Jahrhundert rauskomme. Alles darunter werde noch untersucht, weiß Menard. Gemeint sind damit die Teile des Originalbodens aus dem Mittelalter und die Ziegelsteine aus der Zeit des Barock. Da würden derzeit Untersuchungen laufen, ob die alten Steine weiter genutzt oder ersetzt werden müssten, weiß Tom Zimmermann. Der Pfarrer verweist in dem Zusammenhang unter anderem auch auf den "Feuchtebefall an der Nordseite", der weitere Untersuchungen erforderlich mache. Die für die Sanierungsarbeiten entfernten Holzbänke werden später wieder eingebaut, zuvor allerdings aufgearbeitet, wie Menard berichtet. Einen angedachten Ersatz lässt in dem Fall die Denkmalschutzbehörde nicht zu.

Insgesamt verbreitet der Pfarrer Zuversicht: "Nächstes Jahr wollen wir in der warmen Kirche Heiligabend begehen", sagt er.

Den Termin nennt auch Architekt Manfred Thon, wobei er die Heizungsfrage ausdrücklich ausklammert. Letztlich hänge der Baufortschritt aber davon ab, "ob man noch was findet", setzt er hinzu und betont. "Wir bewegen uns ja im Mittelalter und da geht alles etwas ruhiger zu."

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MOZ.de vom 02. Dezember 2017

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