Pritzwalk

Erster Abschnitt der Kirche ist fertig

Der erste Bauabschnitt bei der Sanierung der Sankt-Nikolai-Kirche Pritzwalk ist fertiggestellt. Ein Teil des Daches ist erneuert, die Wände sind stabilisiert, der Schwamm bekämpft. Für 514 000 Euro haben die Handwerker, allen voran die Zimmerer und Dachdecker aus Chemnitz das evangelische Gotteshaus für mindestens drei Generationen gesichert.

Der erste Bauabschnitt bei der Sanierung der Sankt-Nikolai-Kirche in Pritz­walk ist fertig. Jan Breitfeldt mauert Firststeine.
Quelle: Andreas König

Pritzwalk. Jetzt ist es wieder nahezu dunkel unterm Dach. Die Pritz­walker Sankt-Nikolai-Kirche ist im ersten Bauabschnitt gesichert und wieder dicht. Diese Errungenschaft wurde am Mittwoch mit einer kleinen Feier in der Taufkapelle gewürdigt. „Wir haben das baufällige am Hause Gottes mit Hilfe der fleißigen Handwerker beseitigen können“, sagte Pfarrerin Susanne Michels in Anlehnung an das Buch der Könige. Die Gemeinde habe versucht, jeden Euro in das große Vorhaben zu stecken und dafür allerlei ungewöhnliche Wege beschritten. Eine ehemalige Munitionskiste dient als Spendenbüchse, und der symbolische Erwerbe von Ziegelsteinen, die wiederverwendet wurden, sind nur einige Beispiele.

Doch die Mühen haben sich gelohnt. „Wir haben jetzt zumindest im ersten Bauabschnitt wieder eine sichere Dachkonstruktion, die dicht ist und mindestens drei Generationen halten soll“, freute sich Christine Flassig vom Gemeindekirchenrat. 514 000 Euro haben die Arbeiten bisher gekostet. „Wir sind froh, dass die geplante Summe eingehalten werden konnte“, ergänzte sie.

Auseinanderdriften der Kirchenwände verhindert

Mit dem Geld wurden verschiedene Missstände beseitigt. Zum einen wechselten die Zimmerleute und Dachdecker von der Chemnitzer Firma Zimmereihandwerk und von anderen Betriebe die morschen Köpfe der Dachbalken aus, brachten Anker ein, die das Auseinanderdriften der Kirchenwände verhindern, deckten das Dach neu und beseitigten den Hausschwamm von den Ziegeln.

„Die Handwerker verlegten 4,3 Kilometer Dachlatten, deckten 23 040 Biberschwänze und 3000 Reduktionsbrandziegel, die in einer speziellen Manufaktur zweimal gebrannt wurden“, berichtete Bauingenieur Ingo Dreger, der die Arbeiten geleitet hatte. Dabei sei kaum für möglich Gehaltenes verwirklicht worden, etwa der sogenannte Schwenkgrat. Das ist eine Form der Dachdeckung, bei der das Aufein­andertreffen zweier Dachflächen nicht mit Firststeinen erzeugt wird, sondern mit einer speziellen Deckung.

Der Wendelstein stammt aus dem Jahr 1451

Das Resultat kann sich sehen lassen. Die Dachhaut des erneuerten Abschnitts hält nicht nur Niederschlagswasser ab und das Mauerwerk darunter trocken, sie gibt der Kirche auch behutsam einen frischeren Eindruck. Das ist vor allem den dunkleren Reduktionsbrandziegeln zu verdanken. „Damit wirkt die Dachhaut nicht als sei sie aus Plastik“, erläuterte Ingo Dreger.

Bei den Arbeiten gab das Gotteshaus auch einige seiner Geheimnisse preis: „Es wurde beispielsweise einer der Wendelsteine freigelegt“, sagte Ingo Dreger. Dabei handelt es sich um eine in Stein gehauene Wendeltreppe, „nur dunkler und unbequemer“, wie der Bauingenieur anmerkte. Tatsächlich erforderte es einiges Geschick, den Gang bis zum Dachstuhl emporzusteigen, der über keinerlei Handgriffe oder ähnliches verfügt. „Wozu die Handwerker ihn damals anlegten ist nicht ganz klar“, sagte Ingo Dreger. Der Wendelstein stammt nachweislich aus dem Jahr 1451. Wesentlich jünger sind Ausstattungsdetails, die an den Wänden gefunden wurden.“ 1827, nur sechs Jahre nach dem Stadtbrand von 1821 war die Kirche bereits wieder aufgebaut und dazu reich verziert. Es muss damals eine unglaubliche Kraft in Pritzwalk vorhanden gewesen sein“, staunte Ingo Dreger.

Doch nach der Sanierung ist vor der Sanierung. Für den zweiten Bauabschnitt, der wenn möglich, 2018 in Angriff genommen werden soll, hat die Kirchengemeinde schon jetzt Förderanträge geschrieben. „Wir hoffen, diesmal von der Denkmalhilfe Brandenburg Geld zu bekommen“, sagte Christine Flassig. Mit ins Boot geholt werden solle auch die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der Förderkreis Alte Kirchen, die Landeskirche Berlin-Brandenburg und der Kirchenkreis Prignitz. Der Verkauf der Ziegel-Zertifikate läuft noch bis Jahresende. Bislang wurden 237 veräußert.

Von Andreas König

Märkische Allgemeine vom 13. Dezember 2017

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