Vehlen (Potsdam-Mittelmark)

Sturmschaden an Dorfkirche

Fast 170 Jahre alt ist die Vehlener Dorfkirche. Nun haben ihr die orkanartigen Stürme Xavier und Friederike heftig zugesetzt. Mehrere Bleiglasfenster zersprangen unter der Wucht der Sturmböen. Pfarrer Holger Zschömitzsch erhielt besorgte Anrufer von Vehlener Bürgern, neben der Kirche liege im Gras zerbrochenes Glas.

Die fast 170 Jahre alte Kirche Vehlen. Zwei Bleiglasfenster haben die Stürme der vergangenen Wochen eingedrückt.
Quelle: Marion von Imhoff
 
Neben der Burg Eisenhardt kann man die Bricciuskirche – hier auf einer Ansicht um 1860.
Quelle: Marion von Imhoff
 
Die Dorfkirche von Vehlen steht unter Denkmalschutz.
Quelle: Marion von Imhoff
 
Ein marodes Fenster der kaum noch genutzten Kirche.
Quelle: Marion von Imhoff

Vehlen. Fast 170 Jahre alt ist die Vehlener Dorfkirche. Nun haben ihr die orkanartigen Stürme Xavier und Friederike heftig zugesetzt. Mehrere Bleiglasfenster zersprangen unter der Wucht der Sturmböen. Pfarrer Holger Zschömitzsch erhielt besorgte Anrufer von Vehlener Bürgern, neben der Kirche liege im Gras zerbrochenes Glas.

Auch Kirchenälteste Ingeborg Jasmand meldete den Sturmschaden. An der Kirche hängt ihr Herz. „Ich wurde hier getauft, konfirmiert und habe 1963 in der Kirche geheiratet.“ Wenn Silvester die Kirchenglocken um Mitternacht in Vehlen erklingen, dann ist das Ingeborg Jasmand zu verdanken. Sie steigt Minuten vor jeder Jahreswende die schmale Treppe hinter der Empore hinauf und läutet die Glocken. Nun hofft sie, dass die Fenster bald repariert werden.

Die Bleiglasfenster in ihren Holzrahmen sind allesamt in einem traurigen Zustand. Das Holz wirkt zerfasert und ist teils schon gesplittert. „Die Bleiglaseinfassung der Fenster ist altersschwach“, bestätigt Pfarrer Holger Zschömitzsch. Sie müssten dringend saniert werden. Doch die finanziellen Möglichkeiten des Kirchspiels Wusterwitz-Bensdorf seien sehr bescheiden. „Natürlich kümmern wir uns jetzt sofort darum, dass die Fenster abgedichtet werden und keine Nässeschäden entstehen“, sagt der Pfarrer. Doch für mehr brauche die Gemeinde die Hilfe der Versicherung. Ob die zahle für die Sturmschäden, sei ungewiss.

Die Dorfkirche Vehlen stammt aus der Zeit um 1850. Der denkmalgeschützte rote Klinkerbau ragt in der richtigen Proportion zum kleinen Dorf in den Himmel. Die im Stil der Neugotik gebaute Kirche wirkt wie eine trutzige Kirche, doch sie zu umrunden braucht nur einige dutzend Schritte.

Das Bauwerk zeugt von einer Gottesfürchtigkeit einst in Vehlen. Heute jedoch fungiert die Dorfkirche fast ausschließlich noch als Trauerhalle, sagt Holger Zschömitzsch. „Wir hatten im vorigen Jahr nur eine kirchliche Veranstaltung dort, das war ein Taufgottesdienst.“ Eine mit Vehlen verwurzelte Familie wählte die Kirche für diese Zeremonie. Holger Zschömitzsch ist seit wenigen Jahren Pfarrer in Wustewitz. „In diesen Jahren kann ich mich nicht an einen Gottesdienst in Vehlen erinnern.“

25 Gemeindeglieder leben in Vehlen. Der Ort gehört zum Kirchspiel Wusterwitz-Bensdorf. Nur in Warchau gibt es noch weniger aktive Christen. „Früher haben wir hier Krippenspiel geprobt und Weihnachtsgottesdienste gefeiert“, erzählt Ingeborg Jasmand. Heute geschieht all das in Bensdorf. „Die paar Leute, die heute in einen Gottesdienst gehen, sind die Alten. Und die sterben weg“, sagt die frühere Medizinisch Technische Assistentin, die in Vehlen 1938 geboren wurde. „Und die Jungen gehen nicht in die Kirche.“

Ingeborg Jasmand holt einen großen Schlüssel aus der Anoraktasche hervor und schließt auf. In der Kirche riecht es leicht muffig. Wenige Gesangsbücher liegen bereit, auf dem Altar auch eine Bibel, eingerahmt von zwei Kerzen, die ein wenig heruntergebrannt sind. Spinnweben in den Winkeln und tote Schmetterlinge auf dem Boden zeugen vom Dornröschenschlaf dieser Kirche. Feuchtigkeitsschäden sind an der Decke zu erkennen. Auf den Bänken liegen verschieden bunte Sitzkissen. Die Farbe an einer Holztür blättert. Auf der Empore liegen die Scherben des Sturmschadens. Doch einen Förderverein, der dafür Spenden sammeln könnte, gibt es nicht. Ingeborg Jasmand schließt die Kirche ab. Auch wenn die Kirchturmuhr in Himmelblau auf die Minute genau zu gehen scheint, steht die Zeit in dem Bauwerk wieder still.



Eine Kirche und ein Dorf

Im 18. Jahrhundert lebten in Vehlen knapp 150 Menschen. In dieser Dimension ist das Dorf am westlichen Rand des Landes Brandenburg geblieben. 124 Bürger leben nach Angaben des Amtes Wusterwitz in dem ruhigen Dorf. Jeder fünfte Einwohner ist Mitglied der evangelischen Kirche. Wenn Autos durch den Ort mit erhöhtem Tempo rollen, dann kommen die Fahrer meist aus dem Jerichower Land in Sachsen-Anhalt. Der Vehlener Berg ist mit seinen 72 Metern die höchste Erhebung in der Region.
Der rote Klinker der Vehlener Dorfkirche stammt aus einer Schagenthiner Ziegellei. Nach der Wende wurde die denkmalgeschützte Kirche saniert. Charakteristisch für das Bauwerk sind seine sechs Spitzbogenfenster mit Bleiverglasung.

Von Marion von Imhoff

Märkische Allgemeine vom 27. Januar 2018

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