Denkmalschutz

Landeskonservator Thomas Drachenberg schlägt Alarm

Der Denkmalreport des Landes Brandenburg verzeichnet nicht nur Erfolge, sondern auch Bedrohungen und Verluste. Was as Landesamt für Denkmalpflege von der Landesolitik fordert.

Die Gutsanlage Sembten bei Guben im Landkreis Spree-Neiße verfällt zusehends. Sie zählt zu den bedrohten Denkmälern im Land.
Quelle: foto: D.Huebener

Berlin. Brandenburgs Chefdenkmalpfleger Thomas Drachenberg ist ein Mann der klaren Worte. „Wir sind im Notbetrieb“, sagte er am 6. Februar über die eigene Behörde, die zu einer Jahresbilanz in die Brandenburg-Vertretung nach Berlin einlud. 50 Vollzeitstellen wurden dem Landesamt für Denkmalpflege seit 2000 gestrichen. Die Gesundheit der gegenwärtig 74 Mitarbeiter sei durch Dauer-Überlastung gefährdet. Manche Fachbereiche, etwa die technische Denkmalpflege, seien äußerst dünn besetzt und einige gar nicht. Eine Beratung in Erhaltungsfragen könnten oft nicht mehr angeboten werden. Das Land Brandenburg mit seinen fast 1000 Kirchen leiste sich nicht einmal mehr einen Orgelsachverständigen.

Karin Melzer, die zuständige Referatsleiterin vom übergeordneten Kulturministerium, bestätigte den Missstand. Ihr Haus hoffe, dass der nächste Doppelhaushalt, der gerade im rot-roten Kabinett verhandelt werde, die Weichen neu stelle. Drachenberg forderte mindesten 25 Stellen zurück. Ganz akut aber müssten sieben Stellen geschaffen werden, um ein kompetentes Agieren der Behörde zu ermöglichen.

Der schriftlich ausgereichte Denkmalreport unterstreicht den hohen Anspruch, den das Landesdenkmalamt mit seiner Arbeit verbindet. In der Drucksache werden „Erfolge“, „Bedrohungen und Verluste“ sowie „Entdeckungen“ auf dem Gebiet der Denkmalpflege übersichtlich und prägnant dargestellt. Die Prunksärge der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack wurden restauriert. Das Brauhaus der alten Klosteranlage in Himmelpfort steht nicht mehr auf der Notliste, hier haben Sicherungsarbeiten begonnen. Das barocke „Kettenhaus“ in Prenzlau und die Georgskapelle in Neuruppin sind gerettet. Auch die große Kapelle auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf wurde restauriert. Und die frühere Gewerkschaftsschule in Bernau wurde bekanntlich im letzten Jahr in die Unesco-Weltkulturerbeliste aufgenommen.

Doch es gibt auch Ärgernisse und Freveleien, die Menschen zu verantworten haben, so Drachenberg. So sei ein barocker Prunksarg in der Dorfkirche Schenkendorf im Spreewald „durch die völlige Inkompetenz eines Metallrestaurators unsachgemäß mit dem Trennschleifer aufgebrochen worden“. Hier sei die Kirchgemeinde schlecht beraten gewesen. Die Sicherung des zersägten Sarges werde nun weit teurer, als es der Erhalt es gewesen wäre. Noch ein Beispiel: Das Wichernhaus in Cottbus mit seinem markanten Treppenhaus und dem spitzbogigen Eingang aus den 1930er Jahren habe ein Investor einfach abgerissen.

Zu den aktuellen Sorgenkindern im Land gehört das historische Braunkohlekraftwerk Plessa bei Elsterwerda, das in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts im Stil der neuen Sachlichkeit errichtet wurde. Dort wurde bereits viel Geld in die Sanierung gesteckt. Doch inzwischen haben Privatleute das Denkmal von der insolventen Eigentümergesellschaft übernommen. Und die seien „augenscheinlich nicht in der Lage oder willens“, den erneut hohen Sanierungsstau in Angriff zu nehmen. Sie wollen das Denkmal finanziell verwerten, hieß es. „Ein erster Schritt sollen vermutlich die Verschrottung und der Verkauf von historisch wertvollen Maschinen und Anlagen sein“, heißt es im Denkmalreport.

Gegenüber den Medienvertretern zählte Thomas Drachenberg noch weitere „Denkmale in Not“ auf: das Renaissanceschloss Demerthin in der Prignitz, die Höhere Fliegertechnische Schule in Niedergörsdorf im Fläming, der von Zisterziensermöchen angelegte Nieplitzdamm in Treuenbrietzen und das Sägewerk Zechlinerhütte mit seinem Dampfmaschinenbestand.

Besonderes Augenmerk wolle das Landesamt künftig auf die Erhaltung sanierter Denkmäler mit wenig Geld legen. „Es geht darum, dass rechtzeitig gesehen wird, wenn ein Ziegel schief liegt“, so Drachenberg.

Die Summe von einer Million Euro, die Brandenburg 2017 für die Sicherung, Konservierung und Restaurierung von Denkmälern zur Verfügung stellte, sei viel zu gering. Er verglich sie mit einem „schmalen Wasserstrahl in gleißender Sonne in der Wüste“. „Notwendig ist mindestens eine Verdopplung der Mittel“, so der Landeskonservator. Das bundesdeutsche Mittelmaß liege bei knapp fünf Millionen Euro. Diesen Durchschnittswert errechnete Drachenberg aus zwölf Bundesländern , ohne das reiche Bayern einzubeziehen. Er wolle„nachhaltige Oasen schaffen“ und „nicht die Wüste in ein Schwimmbad verwandeln“.

Das „Kulturland Brandenburg“ steht, wenn es um Ausgaben für Kultur und Denkmalpflege geht, im Bundesvergleich an letzter Stelle.

Von Karim Saab

Märkische Allgemeine vom 06. Februar 2018

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