Nicolaikirche braucht ein neues Dach

Klaus D. Grote

(MOZ) Der Orkan Xavier hat im vergangenen Oktober auch die Nicolakirche hart getroffen. Die riesigen Löcher im Dach konnten zwar schnell geflickt werden, doch jetzt muss die komplette Dacherneuerung vorgezogen werden. Auch die Fassade ist wegen Wasserschäden ein Sanierungsfall. Pfarrer Friedemann Humburg plant deshalb die schrittweise Erneuerung des denkmalgeschützten Kirchenbaus.

Nicht alles da oben ist gut: Pfarrer Friedemann Humburg muss viel Geld in die Oranienburger Nicolaikirche investieren. Die Herbststürme haben Schäden vor allem am Dach hinterlassen.
© Foto: Klaus D. Grote

Auf das gewölbte Dach des Kirchenchors im Zwischenboden fällt Licht durch die vielen Ritze im Ziegeldach darüber. Die tief stehende Sonne wirkt wie ein Prüfgerät: Sie macht die Schäden im Dach deutlich. Der Mörtel zwischen vielen Ziegeln fehlt. Der nächste Sturm könnte neue Löcher ins Dach reißen. „In fünf oder sechs Jahren hätte eine Dachsanierung angestanden, die ziehen wir jetzt vor“, sagt Friedemann Humburg. Die Versicherungssumme für den Sturmschaden soll den Grundstock für ein neues Dach liefern. Mit mindestens 150 000 Euro Kosten rechnet der geschäftsführende Pfarrer. Geld muss von der Gemeinde, dem Kirchenkreis, der Landeskirche und über öffentliche Förderung kommen.

Humburg geht davon aus, dass die Sanierung in mehreren Schritten abläuft: das neue Dach in diesem Jahr, die Fassadenerneuerung in den beiden kommenden Jahren. „Vor dem nächsten Herbst brauchen wir ein neues Dach“, sagt Humburg.

Neben den Kosten gibt es ein weiteres Problem. Bislang liegen erst zwei Angebote für die Dachsanierung vor. Die Gemeinde sei aber verpflichtet, drei Angebote einzuholen. Doch die Firmen sind wegen des Baubooms ausgelastet. Die gute Auftragslage wird sich am Ende wohl auch auf den Preis auswirken.

Humburg ist froh, dass die Denkmalschutzbehörde keine historischen Biberschwänzen vorschreibt. Das nach dem Krieg neu aufgebaute Kirchenschiff kann wie 1952 mit der günstigeren Frankfurter Pfanne in klassischem Rot gedeckt werden. Die Ziegel dürfen dann auch sturmsicher mit Klammern statt mit Mörteln befestigt werden: geklemmt statt geschlämmt. Außerdem soll das Tonnengewölbe überm Kirchenschiff eine effektive Dämmung erhalten. Langfristig plant die Gemeinde auch Doppelfenster für das Kirchenschiff. „Im Moment heizen wir zu den Sonntagsgottesdiensten ganz Oranienburg mit“, sagt Humburg. Gerne würde der Pfarrer die Gelegenheit nutzen und für die komplette Stromversorgung der Kirche Photovoltaikanlagen auf die Südseite des Daches setzen. Da allerdings würden die Denkmalschützer dann wohl nicht mehr mitmachen.

Wenn das Dach neu gedeckt ist, geht es an die Fassade. Die Witterung hat den Mörtel zwischen den hellen Ziegelsteinen an vielen Stellen herausgespült. Dadurch ist Feuchtigkeit ins Mauerwerk gedrungen. Lange Risse haben sich gebildet. Die Fensterstürze haben sich gesetzt und müssen komplett erneuert werden. Vermutlich müssen dann auch die unteren Fenster ausgetauscht werden. Die Kostenhöhe ist noch unbekannt. „Wir rechnen mit einer hohen sechsstelligen Summe für die gesamte Sanierung samt Dach“, sagt Humburg. Es werde aber auch mit Unwägbarkeiten gerechnet. Niemand weiß, welche Schäden bei der Sanierung noch zu Tage kommen. Und schließlich soll auch die inzwischen 20 Jahre alte Heizung ausgetauscht werden.

Ein schon lange geplantes Projekt muss wegen der notwendigen Sanierungen warten: die Erneuerung der Unterkiche. „Da herrscht noch der Geist der 70er-Jahre“, sagt Humburg. „Aber was würde es nutzen, wenn wir die Unterkirche schön machen und es von oben reinregnet?“


Von Stüler geplant: Beim Bombenangriff am 6. März 1944 wurde die Kirche in großen Teilen, das Pfarrhaus komplett zerstört. Von 1950 bis 1952 dauerte der Wiederaufbau derjetzigen Form. Vom Stüler-Original erhalten blieb der Turmbau. Der erhielt 1993 eine neue Kugelspitze samt Kreuz.

Die evangelische Nicolaikirche wurde von 1864 bis 1866 im Auftrag von König Friedrich Wilhelm IV. durch Friedrich August Stüler im neoromanischen Stil gebaut. Sie ersetzte ein eher schlichtes Gotteshaus, das dort seit 1796 anstelle der beim großen Stadtbrand 1788 zerstörten und von Kurfürstin Louise Henriette gestifteten Barockkirche gestanden hatte.

MOZ.de vom 14. Februar 2018

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