PLäNE ZUR RENOVIERUNG DES WILMERSDORFER GOTTESHAUSES AUF EIS GELEGT / FöRDERMITTEL GEHEN ZURüCK

Kein Geld für die Kirchensanierung

Daniela Windolff

Wilmersdorf (MOZ) Die Sanierungspläne für die Wilmersdorfer Kirche sind vorerst auf Eis gelegt, obwohl eine Förderung in Aussicht stand. Doch der Kirchengemeinde fehlt das Geld, um die Eigenmittel aufzubringen. Auch die Kirchen in Greiffenberg und Kerkow sind sanierungsbedürftig.

Verborgenes Kleinod: Die Scheunenkirche in Wilmersdorf ist sanierungsbedürftig. Doch die Sanierungspläne wurden vorerst auf Eis gelegt, weil der Gemeinde das Geld fehlt.
© Foto: MOZ/Oliver Voigt

Das kleine Kirchlein in Wilmersdorf ist ein Kleinod. Statt mit hochragendem Glockenturm und typisch uckermärkischen Feldsteinmauern gebaut, duckt sich zurückgesetzt ein flacher Fachwerkbau in den Garten. Die Glocke hängt an einem schlichten Holzgestell, das wie ein Tor den Weg zur Scheunenkirche weist. Doch hier hindurch geht kaum mehr jemand. Das Gemeindeleben in Wilmersdorf ist nahezu eingeschlafen. Die Kirche ist vom Schwamm befallen. Doch obwohl es bereits Sanierungspläne gab, hat der Gemeindekirchenrat das Vorhaben gestrichen und gibt 230 000 Euro Leader-Förderung zurück. Der Grund: Für die mit insgesamt 330 000 Euro veranschlagte Sanierung müssten 100 000 Euro Eigenmittel aufgebracht werden und die hat die kleine Gemeinde nicht. Dafür weitere sanierungsbedürftige Kirchen. In Greiffenberg ist der Turm bereits gesperrt. Auch hier wurde Schwammbefall festgestellt. Seit über einem Jahr läuten die Glocken nicht mehr. Auch der Kerkower Kirchturm ist ein Sanierungsfall. In Steinhöfel und Bruchhagen müssen die Kirchendächer saniert werden. In den Erhalt der Dorfkirchen in Günterberg und Görlsdorf sind jüngst erst 800 000 beziehungsweise 500 000 Euro geflossen. Auch in die Wilmersdorfer Kirche wurde vor einigen Jahren schon einmal investiert. „Die Puste ist raus“, konstatiert Pfarrer Uwe Eisentraut, der für neun Kirchengebäude im Pfarrsprengel zuständig ist. „Ich trage Verantwortung, wofür wir das knappe Geld ausgeben. Das hängt auch davon ab, wie die Kirchen genutzt werden.“ In Wilmersdorf gebe es nur noch eine Handvoll aktive Christen, die zu Gottesdiensten kommen. „Heiligabend waren es ganze sieben“, sieht es Pfarrer Eisentraut realistisch. „Die Frage steht, nehmen wir unser ganzes Geld und noch ein Darlehen auf, um in Wilmersdorf für sieben Leute die Kirche zu sanieren oder investieren wir es in Greiffenberg oder Kerkow, wo eine aktive Gemeinde und ein engagierter Förderverein dahinter stehen?“

Dass die Entscheidung gegen Wilmersdorf keineswegs leichtfertig getroffen wurde, bestätigt auch der Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, Bernd Janowski, der bei der Beratung mit dabei war: „Es ist schwer, Prioritäten zu setzen, wenn in einem Pfarrsprengel gleichzeitig drei Kirchen saniert werden müssen, aber das Geld kaum für eine reicht. Dann muss man schauen, wo die Kirche genutzt wird“, bestätigt er. „Es ist schade, weil die Wilmersdorfer Scheunenkirche bescheiden aber dennoch wunderschön ausgestattet ist. Sie steht aber weiterhin auf unserer Agenda.“

Bernd Janowski verweist auf das benachbarte Stegelitz. „Die Kirche, eine der schönsten in der Uckermark, war akut einsturzgefährdet. Jahrelang bewegte sich hier nichts, die Kirche war schon tot gesagt, bis ein engagiertes Ehepaar ins Dorf zog und jetzt mit unserer Unterstützung einen Förderverein zur Rettung der Kirche gründete, der schon 40 Mitglieder hat.“ In diesem Jahr erfolgt die Notsicherung. „Ich hoffe, in Wilmersdorf gelingt das auch“, meint Bernd Janowski.

Die Kirche bleibt jedoch geöffnet. Die Gottesdienste werden zusammengelegt und ein Fahrdienst eingerichtet, versichert Pfarrer Uwe Eisentraut.

MOZ.de vom 09. März 2018

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