MARKGRAFPIESKER KIRCHE FEIERT HEUTE GEBURTSTAG / PFARRER STEFAN FELMY ATTESTIERT GUT ERHALTENEN ZUSTAND

Kirche

Gotteshaus wird auf den Tag genau 120 Jahre alt

Anke Beißer

Markgrafpieske (MOZ) Heute, auf den Tag genau, war für Markgrafpieske ein besonderer Sonntag. Die Kirchengemeinde durfte am 17. Juli 1898 ihr binnen zwei Jahren erbautes, neues Gotteshaus einweihen. Wie Pfarrer Stefan Felmy sagt, sei über die Bauarbeiten nicht allzu viel überliefert. „Es soll auf alle Fälle niemand zu Schaden gekommen sein.“ Bei einem solch stattlichen Gebäude mit einer Firsthöhe von 27 Metern und einem Kirchturm, dessen Spitze 48 Metern über dem Dorf thront – und gemessen an den Arbeitsbedingungen jener Zeit – ein glücklicher Umstand.

Grund zur Freude: Pfarrer Stefan Felmy in der vor 120 Jahren eingeweihten, sehr gut erhaltenen Markgrafpiesker Kirche. Die lederne Bibel in seinen Händen ist ebenso alt.
© Foto: Anke Beißer

Zuvor feierten die Markgrafpiesker ihre Gottesdienste in der Dorfkirche am Anger, gegenüber dem Pfarrhaus. Felmy vermutet, dass sie zu klein geworden und überholungsbedürftig war. Sicher ist, das die neue Kirche auf das Engagement von Kaiserin Auguste-Viktoria, Gemahlin von Kaiser Wilhelms II., zurückzuführen ist, die damals vielerorts Gotteshäuser errichten ließ. „Sie dachte wohl, wenn die Leute in Brandenburg schon nicht so fromm sind, dann sollen sie wenigstens ordentliche Kirchen haben“, erzählt Felmy salopp. Bezahlt worden sei das Projekt über die Reparationszahlungen der Franzosen für den Deutsch-Französischen Krieg. „Einer meiner Vorgänger, Pfarrer Karl Liesert, hat noch in den 1970er-Jahren die Kollekte für die Rückzahlung des Kredites genutzt.“

Durchaus mit Stolz verweist der Pfarrer darauf, dass noch vieles im Original von 1898 erhalten ist – so die drei farbig gestaltete Glasfenster hinter dem Altar, die Holzbänke, die Sauerorgel, die drei Glocken, die Uhr und die Altarbibel – ein Geschenk von Auguste-Viktoria zur Einweihung.

Der gute Zustand, lobt der 64-Jährige, sei auch dem Engagement seiner Gemeindemitglieder zu verdanken; und das über viele Jahr hinweg. Selbst an die Bemalung im Jugendstil haben sich die Markgarfpiesker getraut. „Bis auf die ganz oben in den Deckenbögen, das war mit den Gerüsten dann doch zu wackelig.“

So beständig, wie das Bauwerk ist – im Mauerwerk zeugen Schäden von missglückten Panzerfaust-Einschlägen aus dem Zweiten Weltkrieg –, so entwicklungsfreudig bietet sich das Leben in ihm. Unter Felmy kam der Beiname Friedenskirche hinzu. In der interreligiösen Begegnungsstätte ziert jedes der Kirchenfenster ein Relikt der Weltregionen. Eines ist frei geblieben, für jene, die sich keinen Gott vorstellen wollen. „Auch sie sind hier willkommen, wir sind ein offenes Haus“, lädt Felmy ein.

MOZ.de vom 17. Juli 2018

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