KIRCHENGEMEINDE INVESTIERT48 000 EURO

Sanierung

Ritzungen täuschen Ziegelsteine vor

SteffenGöttmann

Wollenberg (MOZ) Die Sanierung der Feldsteinkirche in Wollenberg neigt sich dem Ende entgegen. Im Juni hat der dritte und letzte Bauabschnitt begonnen. Die Evangelische Kirchgemeinde Hoher Barnim als Bauherr investiert 48 000 Euro in die Restaurierung der Fassaden und das Abtragen des Bodens rund um das Gotteshaus.

Feinarbeit: Fred Zingelman, Restaurationsmaurer der Frankfurter Baudenkmalpflege-Firma Jürgen Friedrich, bessert den Putz der Nordfassade der Wollenberger Kirche aus und ersetzt die Ritzungen.
© Foto: Steffen Göttmann
 
Bereits fertig: Die Südfassade der Feldsteinkirche Wollenberg, die im 14. Jahrhundert erbaut wurde.
© Foto: Steffen Göttmann

Das Gerüst an der Südfassade der Wollenberger Kirche ist bereits entfernt, so dass der Blick von der Straße auf eine saubere Feldsteinmauer mit frisch verputzten Fugen und einem farblich auf den Ostgiebel abgestimmten Putzstreifen fällt, der unter dem Dach rund um die Kirche verläuft. Die Farbauswahl ist nicht dem Bauherrn vorbehalten. „Der Restaurator hat uns vorgegeben, wie der Putz auszusehen hat und welche Farbe er haben darf“, sagt Siegfried Zschärlich. Er betreut den Bau seitens des Fördervereins Feldsteinkirche zu Wollenberg. Zschärlich wohnt gegenüber der Kirche und hat das Gebäude ständig im Blick. Der Förderverein unterstützt die Sanierung maßgeblich finanziell. Er organisiert Flohmärkte, Benefizkonzerte und Veranstaltungen aller Art, um Geld für die Sanierung aufzubringen.

Zuerst seien die von Flechten überzogenen Feldsteine mit einem Hochdruckreiniger gesäubert worden. Lockeres Fugenmaterial sei entfernt worden, berichtet Siegfried Zschärlich.

Auf der Nord-Fassade befindet sich mehr Putz als auf der Südseite. Dort ist Fred Zingelmann, Restaurationsmaurer der Frankfurter Firma für Baudenkmale Jürgen Friedrich, dabei, fehlende Putzstellen und Ritzungen zu ersetzen, die der Restaurator entdeckt hatte. Sie erwecken den Eindruck, als seien Ziegelsteine verwendet worden. Doch es handelt sich nur um Ritzungen auf dem Putz, der die Feldsteine, damals etwas für arme Leute, bedeckt. Für Fred Zingelmann ist das Verputzen eine Puzzlearbeit. Denn die Denkmalschutzbehörde fordere eine sensible Restaurierung. Es solle so viel wie möglich von dem alten Material erhalten bleiben, erläutert der Restaurationsmaurer, der mit einem abgerundeten Holzstück vorsichtig die Feldsteine verfugt und den Mörtel glättet. Die Fenster hinter dem Altar weisen außen eine Spur von roter Farbe auf. Eines der Fenster, bei dem dies noch sichtbar ist, bleibt daher unverputzt. „Die Maurer sind ganz verzückt, denn die Ziegel sind sehr alt und haben noch Klosterformat“, so Siegfried Zschärlich.

Die umfangreichsten Arbeiten des dritten Bauabschnitts stehen noch bevor. „Wir müssen die Erde rund um die Kirche so weit abtragen, dass ein Gefälle profiliert wird“, sagt Siegfried Zschärlich. Das Wasser müsse von der Kirche nach unten laufen. Problem sei, dass der Friedhof rund um die Kirche im Laufe der Jahrhunderte gewachsen sei. Beim Ausheben der Gräber, werde die Erde verteilt. Daher werde der Friedhof immer höher. Die Erde werde etwa spatentief abgetragen, kündigte Siegfried Zschärlich an. Dies soll auch verhindern, dass Wasser an das Gebäude spritzt und Feuchtigkeit nach innen zieht. „Wir haben das Problem, dass die Wangen der Kirchenbänke morsch und verfault sind“, erklärt Siegfried Zschärlich. Er favorisiere im Zuge der Sanierung des Inneren, die Bänke durch Stühle zu ersetzen. „Wir wären dann flexibler bei Veranstaltungen“, ergänzt er. Zudem könne man sich die teure Sanierung der Bänke ersparen. Doch dies werde noch diskutiert, nicht alle seien seiner Meinung. Pfarrer Björn Ferch sei durchaus bereit, andere aber noch nicht überzeugt. „Bei den Gottesdiensten kommen fünf Menschen, bei unseren Veranstaltungen um die 30“, so Siegfried Zschärlich.

Die Sanierung des Innenraums ist noch Zukunftsmusik. Die müsse der Förderverein mit der Kirchengemeinde allein stemmen, denn die laufende Bautätigkeit bezieht sich nur auf die Rettung des Gebäudes. Das Innere, zu dem Balken, Orgel und Kirchenbänke gehören, müsste nach den Vorstellungen des Restaurators in einem hellen Grau gestrichen werden. Das den Raum dominierende Dunkelbraun habe in der Kirche nichts verloren, zitierte Siegfried Zschärlich den Restaurator.

Im März 2013 gründeten Wollenberger den Förderverein, um ihre Kirche vor dem Verfall zu retten. Wegen defekter Balken drückte der Dachstuhl die Mauern nach außen, weshalb tiefe Risse entstanden. Insgesamt 320 000 Euro kostet die Sanierung, die mit dem Turm begann. Dem folgte die Dachsanierung.

MOZ.de vom 21. Juli 2018

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