Dennewitz

Dennewitzer retten ihren Kirchturm

Mit Hilfe von Fördermitteln und vielen engagierten Dorfbewohnern haben die Sanierungsarbeiten an der Turmspitze des Gotteshauses begonnen. Schon bald soll der schlechte Zustand dort Geschichte sein.

Zimmermänner bei der Arbeit am Dennewitzer Kirchturm.
Quelle: Isabelle Richter
 
Der eingerüstete Kirchturm in Dennewitz.
Quelle: Isabelle Richter

Dennewitz „Der Zustand ist sehr schlecht, ein bisschen neigt er sich schon. Wenn man daran nichts macht, würde er irgendwann umkippen“, lautet das drastische Urteil von David Gertz in Dennewitz. Der Zimmermann befindet sich derzeit mit seinen Kollegen auf dem 25 Meter hohen Baugerüst am Kirchturm, um den Giebel wieder sicher zu machen.

Wie lange die Arbeiten andauern werden, ist noch unklar. „Der Schaden war nicht abzusehen, deshalb ist es schwer zu sagen“, so Gertz „das verfaulte Holz muss jetzt Stück für Stück saniert werden“.

Schaden deutete sich seit Jahren an

Für Kristel Tretschock ist es deshalb umso beruhigender zu wissen, dass die Arbeiten nach langem Warten endlich starten. Die Kirchenälteste berichtet: „Vor ein paar Jahren hatten wir schon den Verdacht, dass dort eventuell ein größerer Schaden vorliegt.“ Immer wieder fielen Schiefersteine herunter. Das hatte die Kirchenmitglieder irgendwann stutzig gemacht.

Ein Gutachten brachte die bittere Erkenntnis: Der Dennewitzer Kirchturm weist erhebliche Schäden auf. „Die Kosteneinschätzung war so hoch, das hätten wir als Kirche gar nicht allein stemmen können“, berichtet Kristel Tretschock rückblickend. Um den Kirchturm vor dem Verfall zu retten, stellte die Kirchengemeinde einen Förderantrag. Im vergangenen Jahr erfolgte der positive Bescheid.

Förderantrag mit überzeugendem Info-Heft

75 Prozent der rund 200.000 Euro teuren Sanierung werden vom Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) getragen. Der übrige Teil werde laut Kristel Tretschock über die Kommune und den Kreis sowie die Stiftung Denkmalschutz und aus eigenen Mitteln der Kirchengemeinde finanziert.

Um die Chancen auf eine baldige Sanierung des Turms zu erhöhen, fertigte die 66-Jährige damals außerdem ein 50-seitiges Dokument an, welches sie dem Förderantrag beilegte. In der kurzen Chronik hob sie alle Besonderheiten der Dennewitzer Kirche mit Bildern und informativen Hintergrundtexten hervor.

Kirchturmspitze lag bis 1686 frei

Die Dennewitzer Kirche zählt zu einer von fünf Kirchen der Evangelischen Kirchengemeinde Oehna. Bereits im 1174 wurde die Kirche erstmals als Feldsteinbau erwähnt. Die Errichtung des Westturmes in Schiffsbreite erfolgte im 14. und 15. Jahrhundert – der Taufstein kam im 17. Jahrhundert dazu.

Erste große Schäden entstanden nach einem Brand im Jahr 1686. Bis dahin lag auch der Giebel des Kirchturmes frei. Erst von 1714 bis 1716 wurde der Turm mit Schiefern, einer Schweifhaube und einer Laterne ausgestattet.

Acht Jahre später musste die Haube nochmals nach einem Blitzschlag erneuert werden und auch die Dachkonstruktion des Schiffes wurde überarbeitet. Es war die letzte große Baumaßnahme. In den folgenden fast 300 Jahren – selbst nach den Befreiungskriegen mit der Schlacht bei Dennewitz– erfolgten nur Renovierungen und Instandsetzungen im Inneren und Äußeren.

Dennewitzer zeigen viel Engagement

Die Dennewitzer zeigen großes Engagement für ihre Kirche. „50 Prozent der Leute gehören noch zur Kirche. Es sind nicht alle aktiv, aber es gibt doch einen relativ großen, aktiven Teil“, erklärt Kristel Tretschock. Selbst Einwohner, die keine Kirchenmitglieder sind, fühlen sich für den Erhalt des historischen Gebäudes verantwortlich.

Beim jährlichen Frühjahrsputz packt ein Großteil der Dorfgemeinschaft regelmäßig selbst mit an. Darüber hinaus wird seit einigen Jahren auch der Kirchendienst auf das ganze Dorf verteilt. Jeweils zwei Einwohner kümmern sich pro Monat um die Vorbereitungen der Gottesdienste, Feierlichkeiten oder Zusammenkünfte in der Dennewitzer Kirche. Kristel Tretschock erklärt: „Die Arbeit verteilt sich wunderbar – ich bin ganz stolz.“

Dankesgottesdienst für alle Helfer

Darüber hinaus hielten die Dennewitzer in der Vergangenheit stark zusammen, als es um das Einsammeln der Eigenmittel für die Kirchturmsanierung ging. Auch hier halfen sie freiwillig bei der Organisation der Benefizkonzerte oder des Adventsweihnachtsmarktes mit.

Im November, so Kristel Tretschock, könnte die Sanierung mit einem Dankesgottesdienst an alle beteiligten Helfer bereits abgeschlossen werden. „Hoffen wir, dass die Schäden bis dahin Geschichte sind“, so die 66-Jährige.

Von Isabelle Richter

Märkische Allgemeine vom 27. Juli 2018

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