MIT HOCHDRUCK LAUFEN VOR DER 750-JAHR-FEIER HIRSCHFELDES DIE BAUARBEITEN IM GLOCKENSTUHL DER DORFKIRCHE

Glocke

Zum Dorfjubiläum soll es wieder läuten

Thomas Berger

Hirschfelde (MOZ) Die Arbeiten im Hirschfelder Kirchturm gehen in den Endspurt über. Der neue Glockenstuhl ist soweit fertig installiert, diese Woche soll die reparierte zweite Glocke zurückkommen. Das Ziel: Festliches Läuten zur 750-Jahrfeier am kommenden Wochenende.

Im neuen Glockenstuhl: Pfarrer Johannes Menard und Fördervereinschef Jürgen Albrecht im Gespräch mit Danny Schreiter von der Firma Baugeschäft Andreas Müller aus Thalheim (Erzgebirge/v. l.). Regie bei den Arbeiten führt das kirchliche Bauamt.
© Foto: Thomas Berger

Noch wissen Jürgen Albrecht, unermüdlicher Vorsitzender des 2001 gegründeten Kirchenfördervereins, und der zuständige Altlandsberger Pfarrer Johannes Menard nicht ganz genau, ob es auch klappt. Aber beide zeigen sich zuversichtlich, dass es vom Kirchturm wieder läutet, wenn Superintendent Frank Schürer-Behrmann am Sonnabend um 12 Uhr den Festgottesdienst im Rahmen des Programms zur 750-Jahrfeier halten wird.

Zumindest die Mitarbeiter der Firma Baugeschäft Andreas Müller aus Thalheim im Erzgebirge haben das ihnen Mögliche getan, um diesen Zeitplan einzuhalten. Bei der Baubegehung am Donnerstag mit dem Zeitungsreporter war der neue Glockenstuhl schon mal so weit fertig, dass die Aufhängung der geschweißten Glocke durch die Glockenbaufirma nächste Woche vorgenommen werden kann. Behutsam streicht Menard über das helle Holz: „Richtig schön ist das geworden.“ Ein Lob, das Danny Schreiter freut – er und seine Kollegen legen dieser Tage noch beim Treppengeländer und anderen Details vorletzte Hand an.

Eine Etage tiefer, auf der Plattform im Zwischengeschoss, steht derweil die eine Glocke. Sie ist die kleinere und jüngere der beiden, stammt ursprünglich nicht aus dem Ort, sondern kam nach 1945 als Ersatz für jene zweite, die zuvor zerschellt war. „Ein Dorfbewohner wollte die damals stehlen und in den Westen verkaufen“, berichtet Jürgen Albrecht. Das Ersatzstück wurde aus dem Fundus jener Glocken geholt, die eigentlich schon zum Einschmelzen für die Rüstungsindustrie im Krieg vorgesehen waren, denen das traurige Los dann aber erspart blieb. Wo sie vorher hing, ist unklar, erklärt der Chef des Fördervereins.

Dafür ist das andere Exemplar mutmaßlich die älteste Glocke Brandenburgs. Zuletzt hatte sie einen scheppernden Klang, war gesprungen, was nun im bayrischen Nortingen von den Fachleuten mit einer Schweißnaht in Ordnung gebracht wurde. Die Prozedur selbst, so die in den Barnim übermittelte Nachricht, sei erfolgreich gewesen. Der neue Klang selbst wird sich erst nach der Aufhängung an Ort und Stelle erweisen, und eben mit etwas Glück schon zum Dorfjubiläum. Der Abschluss der Arbeiten wird sich in jedem Fall noch etwas hinziehen, das Gerüst an der einen Turmseite noch ein wenig das Bild zur 750-Jahrfeier trüben.

Damit können alle aber gut leben. Schließlich sind die Hirschfelder und auch der Pfarrer froh, dass sich etwas tut. Noch gar nicht so lange ist es her, dass die Kirche teilweise eine Ruine war, nur der als Winterkirche eingerichtete Chorraum für die Gläubigen nutzbar war. „Im kaputten Schiff hingegen wuchsen schon richtig große Bäume“, erinnert der Vereinschef. Es waren keine Kriegsschäden im engeren Sinne, vielmehr habe der erste Bürgermeister nach 1945 die beschädigte Kirche eigentlich zum Abriss freigegeben. Doch es kam anders: „Schon ein paar Jahre später hatten Bauern und Handwerker aus dem Ort Holz für eine Reparatur gesammelt“, so Albrecht weiter. Gleichwohl sollte es noch mehr als ein halbes Jahrhundert dauern, bis eine richtige Sanierung mit Wiederaufbau des Schiffes stattfand. 2016 konnte die Kirche nach dieser großen ersten Etappe, an der sich der Kirchenkreis, etliche Spender und Förderer sowie der Förderverein mit allein über 3000 Stunden Arbeitsleistungen beteiligten, wieder in Dienst gestellt werden.

Abschnitt eins der Arbeiten im Turm sind nun die zweite Etappe der Sanierung. Petra Kobalz vom kirchlichen Bauamt hat dabei die Leitung. Gute Arbeit, so Pfarrer Menard, habe die Müncheberger Bau GmbH, die schon am Schiff zugange war, bei den Maurerarbeiten geleistet. Jetzt ist kaum mehr zu sehen, wo im April 1945 im Glockenturm ein Einschusstreffer landete – laut Albrecht das Gegenfeuer deutscher Seite, nachdem Scharfschützen der Roten Armee zuvor vom Kirchturm aus den Werneuchener Flugplatzkommandanten erschossen hatten. „Das waren damals ganz junge Männer, die mich später als alte Herren besucht haben“, erzählt Albrecht.

Die aktuellen Arbeiten im Glockenstuhl sind mit 54 000 Euro veranschlagt. Mit einer kleinen Restsumme, hofft der Vereinschef, könnte auch die Turmuhr, die es damals beim Granatentreffer ebenfalls erwischte, neu installiert werden. In jedem Fall mit inbegriffen sind im Auftrag noch die Schallluken.

MOZ.de vom 04. August 2018

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