Pilzbefall

Plötzlich sackten die Gottesdienst-Besucher weg

Roland Becker

Nieder Neuendorf (MOZ) An einer Jahrhunderte alten Kirche hören die Bauarbeiten nie auf. Diese Erfahrung macht gerade Nieder Neuendorfs Pastorin Barbara Eger. Nachdem die Dorfkirche, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, 2008 außen und 2014/15 innen saniert worden war, dachte die Gemeinde, nun Ruhe zu haben. Bis zu einem Sonntag im April dieses Jahres.

Ganze Arbeit geleistet: Der Schwamm hatte bereits das Holz der Dielen von unten her zerstört.
© Foto: privat

„Mitten im Gottesdienst gab plötzlich eine Holzdiele nach. Mehrere treue Gottesdienstbesucherinnen sackten mit der Kirchenbank ein Stück nach unten.“ Es waren weder Teufel noch Heiliger Geist, die für diesen Schrecken verantwortlich waren. Es war ein Pilz. Besser bekannt als Schwamm.

„Bei der Sanierung zwei Jahre zuvor hatten wir zwar ein paar Stellen ausbessern lassen. Aber eine völlige Sanierung des Dielenbodens war nicht vorgesehen gewesen“, erinnert sich die Pastorin. An der Nieder Neuendorfer Kirche ist in vielen Jahrzehnten immer wieder etwas verändert worden. Ein Teil des Bodens ist mit Fliesen ausgelegt, andere Bereiche mit Holzbohlen. Die Dielen haben wiederum eine unterschiedliche Stärke. Die jetzt vom Pilz befallenen waren die dünnsten. Dazu komme noch, so Eger, dass es zu wenige und zu kleine Lüftungslöcher gab. Die aber sind nötig, um die Feuchtigkeit unterm Kirchenboden im Griff zu haben. Denn der noch tiefer gelegene Teil des Kirchenbodens ist betoniert. Dazwischen hat sich offenbar über Jahrzehnte die Nässe gestaut.

Während die Pastorin dachte, das Problem schnell aus der Welt schaffen und die Kirche weiter nutzen zu können. Den gefährdeten Bereich könne man ja sperren. Das sah das Konsistorium, die Kirchenverwaltung, ganz anders. „Keine Gottesdienste, keine Taufen, keine Trauungen“, lautete die Anweisung von dort. Pastorin Eger und ihre Gemeinde haben seither Asyl in Hennigsdorfs Martin-Luther-Kirche.

Mittlerweile sind neue und stärkere Dielen verlegt worden. Und die Lüftungslöcher sind natürlich größer gebohrt. Allerdings brauchen die Holzbohlen noch Zeit, ehe sie getrocknet sind. Leinöl-Farbe, die hier verwendet wurde, benötigt länger zum Austrocknen, zumal zwei Schichten aufgetragen werden mussten. Unterm Strich werden die unvorhergesehenen Arbeiten rund 5 000 Euro kosten.

Die Pastorin freut sich darüber, wenn sie demnächst wieder die Gottesdienste vor dem noch verhüllten Altartisch feiern kann. Dringlicher noch sehnt ein Paar das Ende der Arbeiten herbei, das am 1. September in der Dorfkirche heiraten will. Braut und Bräutigam wollen sich nicht ein zweites Mal eine neue Kirche suchen müssen. Ihre eigentliche Wunschkirche in Spandau blieb ihnen verwehrt. Wegen Bauarbeiten.

MOZ.de vom 23. August 2018

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