Seltsamer Fund

Ziegelstein mit ungewöhnlichem Stempel gibt Rätsel auf

Jürgen Liebezeit

Mühlenbeck (MOZ) Einen seltenen Fund hat der Mühlenbecker Ullrich Pietermann kürzlich in Feldheim gemacht. In einem Stapel alter Ziegelsteine fand er ein Exemplar, das einen ungewöhnlichen Stempel hat.

Ungewöhnlicher Fund: Diesen Stein mit einem Stempel, der an eine Pickelhaube erinnert, hat der Mühlenbecker Ullrich Pietermann gefunden.
© Foto: Jürgen Liebezeit

Die verwitterten Linien lassen eine Pickelhaube erkennen. Doch im Internet wurde der 66-Jährige bei der Recherche nach der Herkunft des Ziegelsteins nicht fündig. Deshalb schickte er mit der Bitte um Hilfe Fotos von dem Stein an unsere Redaktion.

Das Ziegeleipark in Mildenberg gab dann den entscheidenden Tipp. Geschäftsführer Roy Lepschies vermittelte den Kontakt zu Horst Hartwig vom Verein „Freunde der Ziegeleigeschichte“. Der Berliner beschäftigt sich seit Jahren mit der Historie der Ziegeleien in Berlin und Brandenburg und gilt als renommierter Experte. „Ich habe so einen Stein schon einmal gesehen“, sagte er beim Blick auf das Foto. Doch in seiner Sammlung geprägter Steine fehle solch ein seltenes Exemplar noch. Nach seiner Einschätzung handelt es sich bei dem Mühlenbecker Stein um einen Schamotte-Ziegel. „Selbige waren im Gebrauch bei Ofenkonstruktionen, Öfen für gewerbliche Zwecke wie chemische Fabriken, Glasbläserei, Bäckereien, Metallschmelzen und Töpferwaren.“

Die Herkunft des Mühlenbecker Schamotte-Ziegels konnte der Experte nicht ermitteln. Viele Schamotte kämen aus der Oberlausitz (Schlesien) und auch der Meißener Gegend. Möglicherweise sei der Stein zu Bismarcks Zeiten gebrannt worden – also Ende des 19. Jahrhunderts.

Gewöhnliche Mauerziegel werden bei 1 000 bis 1 050 Grad Celsius gebrannt, die Schamotte bei 1 500 Grad und mehr. Daher sind sie auch widerstandfähiger gegen hohe Temperaturen. Die besten und frühesten Schamotte kamen um 1825 zuerst aus England. Schamotteziegel wurden weltweit von England und später auch von den damals deutschen Häfen wie Stettin versendet. „Man legte sie zu Tausenden unten auf den Kiel der großen Lastensegler, um einen günstigen, tieferen Schwerpunkt der Schiffe zu erreichen. So kamen viele europäische Schamotte-Ziegel bis nach China, in die Karibik und nach Kalifornien. Es gibt in Ansätzen ein Buch von einem amerikanischen Forscher, welcher diesen Schamotteziegeln (Fire-Bricks) in der Neuen Welt nachgespürt hat. Dabei waren natürlich die eingeprägten Stempel von besonderem Wert“, so Hartwig. Bei den englischen Schamotte-Ziegeln ist die Namensgebung ausführlicher, zum Teil sogar mit Ortsbezeichnung.

Die Ziegel werden im lederharten Zustand in einer Metallform nachgepresst, dabei wird das Logo oder ein Symbol eingeprägt.

Um 1865 gibt es auch in der deutschen Fachliteratur ausführlichere Beschreibungen zur Fabrikation von Schamotte-Ziegeln. Eine Auflistung der Ziegeleien in diesem Bereich und Abbildungen zu einzelnen Symbolen und deren Herkunft ist dem Experten aber nicht bekannt. Insofern bleibt die Herkunft des Mühlenbecker Ziegels weiterhin ein Rätsel – es sei denn, unsere Leser können helfen. Wenn Sie eine Idee haben, schreiben Sie uns eine E-Mail: lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

MüHLENBECKER TON

Welche Rolle spielte der Ton in Mühlenbeck? Die reichsten Tonvorkommen lagen zwischen Buchhorst und Feldheim. Nahe am Zehnrutenweg gab es laut Gemeindehomepage einmal eine Ziegelei, heute zeugt der Mühlenbecker Tonstich von der Ausschöpfung des Werkstoffes. Das Töpferhandwerk wurde über Generationen ausgeübt und versorgte die einheimische Bevölkerung mit Ziegeln, Töpfen und Schüsseln. In der Ziegelei am heutigen Tonstich wurden auch die Ziegel für die Mühlenbecker Kirche mit dem besonders charakteristischen gelben Farbton gebrannt. Der Bau erfolgte von 1871 bis 1873.
Insgesamt gab es nach Recherchen von Horst Hartwig in Mühlenbeck drei Ziegeleien, die einen Ziegel – ähnlich dem Birkenwerder Ziegel – gebrannt haben. Ein Ziegelstempel aus Mühlenbeck lautet = „C. B: Mühlenbeck“. Die Buchstaben stehen für Carl Bredow Mühlenbeck.

MOZ.de vom 23. August 2018

   Zur Artikelübersicht