FöRDERKREIS ALTE KIRCHEN VERGIBT STARTKAPITAL FüR NEU GEGRüNDETE FöRDERVEREINE

Denkmalschutz

Die Kirche muss im Dorf bleiben

Daniela Windolff

Angermünde (MOZ) Mit einem Startkapital von je 2500 Euro hilft der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg neu gegründeten Kirchenfördervereinen auf die Beine. In diesem Jahr wurden drei Brandenburger Vereine mit dem Preisgeld bedacht, das in Angermünde verliehen wurde.Angermünde (MOZ) Mit einem Startkapital von je 2500 Euro hilft der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg neu gegründeten Kirchenfördervereinen auf die Beine. In diesem Jahr wurden drei Brandenburger Vereine mit dem Preisgeld bedacht, das in Angermünde verliehen wurde.

Kleinod der Kirchengeschichte: Die Scheunenkirche in Wilmersdorf ist dringend sanierungsbedürftig, doch die bewilligten Fördermittel wurden nicht abgerufen, weil es weder genug Eigenkapital noch ein Nutzungskonzept gibt. Erste Impulse, einen Förderverein zu gründen, gibt es inzwischen.
© Foto: Daniela Windolff
 
Startkapital für Kirchenretter: Die Freunde der Feldsteinkirche Stegelitz, rechts Andreas Winter, bekommen einen Förderpreis.
© Foto: Daniela Windolff

Echter Hausschwamm frisst sich durch das Gemäuer. Der Dachstuhl kann jederzeit einstürzen. Das Betreten ist lebensgefährlich und seit 2011 baupolizeilich verboten. So fand Andreas Winter die alte Dorfkirche in Stegelitz vor, als er in das kleine uckermärkische Dorf zog. Die Kirche sollte entwidmet und der Altar ausgebaut werden.

Die Beschreibung könnte auf viele Dorfkirchen in Brandenburg zutreffen. Aber auch, was sich daraus entwickelte, ist glücklicherweise kein Einzelfall. Andreas Winter gründete in diesem Jahr mit Gleichgesinnten einen Förderverein, um die Stegelitzer Kirche vor dem absehbaren Verfall zu retten. Die Kirche muss im Dorf bleiben. 82 Mitstreiter haben sich bereits vom Enthusiasmus mitreißen lassen, die Kirche als Denkmal zu erhalten und wieder nutzbar zu machen als ein Mittelpunkt des Dorfes. Sie nennen sich Freunde der Feldsteinkirche Stegelitz und haben schon viel bewegt. „Es war ein Raketenstart. Wir haben Arbeitseinsätze gemacht, Spenden gesammelt und inzwischen eine Förderung von 200 000 Euro für eine Notsicherung bekommen“, erzählt Vereinsvorsitzender Andreas Winter stolz.

Eine kleine Förderprämie für die Vereinsarbeit gibt es jetzt oben drauf. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg unterstützt die Stegelitzer Kirchenretter mit einem Startkapital von 2500 Euro. Sie wollen ein Nutzungskonzept für ihre Kirche erarbeiten und die Öffentlichkeitsarbeit stärken, um Sponsoren zu werben, denn noch stehen die Freunde der Feldsteinkirche ganz am Anfang.

Für Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, ist das eines der Mut machenden Beispiele, wie scheinbar hoffnungslose Fälle durch die Initiative engagierter Menschen vor Ort gerettet werden. „Die Stegelitzer Dorfkirche gehört zu den schönsten und wertvollsten Sakralbauten der Uckermark“, betont Bernd Janowski.

Seit 2002 hat der Förderkreis rund 80 Neugründungen von Kirchenfördervereinen in Brandenburg mit insgesamt 250 000 Euro Startkapital unterstützt, zum Beispiel in Rosow, Fergitz, Melzow, Landin oder den Verein Lebendiges Hugenottenerbe, der die Heiliggeist-Kapelle in Angermünde mit Leben erfüllt. Jetzt kommen drei dazu. Neben den Stegelitzer Kirchenfreunden werden die Fördervereine der Lilienthal-Kirche in Derwitz (Potsdam-Mittelmark) und der Dorfkirche Rosenwinkel (Ostprignitz-Ruppin) unterstützt.

Vor der Preisverleihung in der Angermünder Heiliggeist-Kapelle besuchte der Förderkreis einen weiteren scheinbar hoffnungslosen Fall: die Scheunenkirche in Wilmersdorf. Hausschwamm bedroht das Gemäuer, die Kirche sollte aufgegeben werden. „Wir wissen noch nicht, wie es hier weitergeht. Aber wir wollen zeigen, Wilmersdorf ist nicht vergessen“, sagt Bernd Janowski und hofft, im nächsten Jahr einem Wilmersdorfer Förderverein das Startkapital übergeben zu können.

MOZ.de vom 18. September 2018

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