AM SONNTAG WIEDEREINWEIHUNG DER KLEINEN FELDSTEINKIRCHE IN KUMMEROW MIT KAFFEETAFEL / SANIERUNG DAUERT LäNGER ALS GEDACHT

Sanierung

Überraschung: Farbige Weihekreuze aus dem 14. Jahrhundert freigelegt

Dietmar Rietz

Kummerow (MOZ) Schwedt/Kummerow. „Zum Gott erbarmen“, so beschrieben Kummerower den Zustand ihrer kleinen Dorfkirche einst. Jetzt ist sie als EU-Baustelle auf dem Lande schöner als je zuvor wiedererstanden.

Hoffen auf viele Besucher: Pfarrer Gunter Ehrlich und Monika Pahl laden am Sonntag zum Festgottesdienst in die Kummerower Kirche.
© Foto: Oliver Voigt

Mit einem Festgottesdienst wird die Kummerower Dorfkirche am Sonntag um 14 Uhr feierlich wieder eingeweiht. Der Posaunenchor Criewen spielt. Ortsvorsteherin Ilona Pahl lädt die Gäste anschließend an die Kaffeetafel auf dem Festplatz ein oder bei Regen in ihre Gaststätte.

Mehr als zehn Jahre war die Kirchengemeinde darum bemüht, die dringend nötige Sanierung des Feldsteinbaus zu starten. Eigentlich sollte zur 700-Jahr-Feier von Kummerow alles fertig sein. Aber einerseits herrscht im Baugewerbe Notstand, die Firmen sind ausgebucht bis unters Dach, erzählt Pfarrer Gunter Ehrlich. Andererseits finden Restauratoren immer Überraschendes.

Außerdem hat das Dorfkirchlein eine Heidenarbeit verursacht, die viel Geld kostete. Fast 380 000 Euro haben die Arbeiten insgesamt verchlungen. Der Löwenanteil der Summe stammt aus den Kassen der Europäischen Union. Die Gemeinde selbst hat 87 000 Euro aufgebracht. Dem Kirchenkreis Uckermark, der Landeskirche und dem Landkreis Uckermark waren die Arbeiten einen Zuschuss wert. Saniert worden ist die Kirche vom Boden bis zum Dach. Das Dach ist neu mit historischen Biberschwänzen gedeckt, das Dachgestühl erneuert, das Kirchengestühl wieder vorzeigbar. Fußboden und Altarbereich sind saniert. Schöne Bleiglasfenster zieren das Gotteshaus.

Überraschung: Zwei solcher Weihekreuze aus dem 14. Jahrhundert sind jetzt wieder in der Kirche zu sehen.
© Foto: Oliver Voigt

Restauratoren haben unter dem weißen Kalkputz mehr als acht Putzschichten mit verschiedenen Wandgestaltungen freigelegt. Entdeckt worden sind überraschend auch Weihekreuze. „Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Diese Kreuze stammen aus der Zeit des Aufbaus der Kirche, aus dem 14. Jahrhundert“, sagt Pfarrer Ehrlich fast ehrfürchtig. „Die damals katholische Kirche wurde geweiht. Symbolisch sind aus diesem Anlass meist zwölf – das ist eine biblische Vollzahl – Weihekreuze an den Wänden verteilt. Zwei davon sehen wir heute wieder in Kummerow. Dass die Farben aus dem 14. Jahrhundert wieder sichtbar sind, das grenzt an ein Wunder.“

Die Feldsteinkirche, wahrscheinlich im 14. Jahrhundert gebaut, hat eine unregelmäßige Außenmauerung mit behauenen Ecksteinen. Ihre „Schwestern“ aus dem 13. Jahrhundert sind „schön und regelmäßig“ gemauert, erklärt Ehrlich. „100 Jahre früher waren Bauhütten aus dem süddeutschen Raum hier unterwegs. Die Kummerower Kirche haben Einheimische gebaut. Sie haben das nicht so hingekriegt.“

22 Gemeindeglieder zählt die evangelische Kirche in dem 107-Seelen-Ort. Sie und viele andere Menschen im weiten Rund freuen sich derzeit riesig darauf, dass ihre Dorfkirche am Sonntag wieder eingeweiht wird.

Als Ehrlichs Vorgänger, Pfarrer Justus Werdin, sich aus der Uckermark verabschiedete, hinterließ er den Kummerowern quasi zum Abschied den Förderbescheid der EU.

MOZ.de vom 30. September 2018

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