Niendorf

Kirche und Kommune ziehen an einem Strang

Dass eine aktive Dorfkirche der Kommune gehört, ist eine Besonderheit. Auch das Innenleben des Niendorfer Gotteshauses gilt als besonders. Doch das Bauwerk selbst braucht dringend Hilfe.

Das gedrungen wirkende Gotteshaus steht wie ein hässliches Entlein neben dem Dorfteich auf dem Anger.
Quelle: Uwe Klemens

Niendorf Der Zustand der Niendorfer Kirche täuscht über das tatsächliche Alter des Gotteshauses hinweg. Die Wetterfahne auf dem Dach des Kirchturms verrät, dass die Kirche vor genau 110 Jahren eingeweiht wurde. Doch bis auf die Wetterfahne macht das Gebäude, zumindest von außen betrachtet, einen erschreckenden Eindruck.

Überraschende Wende bei der Eigentumsfrage

Auf mindestens 350 000 Euro belaufen sich derzeit die geschätzten Kosten für die Sanierung von Dach und Fassade – eine Summe, die die Kirchengemeinde Dahme, zu der Niendorf mittlerweile gehört, auf keinen Fall alleine aufbringen kann und insofern auf Fördermittel angewiesen ist. Bevor die Fördermittelanträge gestellt werden konnten, galt es eine grundsätzliche Frage zu klären, nämlich wer dafür zuständig ist. Denn Eigentümer des Gotteshauses ist nicht die Kirchengemeinde, sondern die Kommune Ihlow, was eine Besonderheit ist. Weder die Gemeindevertreter noch der Gemeindekirchenrat wussten davon.

Entdeckt wurde dies, als der Kirchgemeinde vor etwa acht Jahren eine Auflage des Dahmer Ordnungsamtes zum Winterdienst rings um das Kirchengelände ins Haus flatterte. Als Pfarrer Carsten Rostalsky den Vorgang ans kirchliche Verwaltungsamt in Berlin-Neukölln weiterreichte, wurde dort in den alten Unterlagen entdeckt, das im Grundbuch die Kommune steht. Die Pläne zur Sanierung der Kirche wurden erst einmal auf Eis gelegt, da sich alle Beteiligten von dem Schock erholen mussten.

Das Schicksal selbst in die Hand nehmen

„Dass der Kirchenkreis die Kirche nicht übernehmen wird, hat mir der Superintendent klar gemacht, auch wenn ich es selbst ein wenig schade fand“, sagt Rostalsky. Um trotzdem an die begehrten Fördermittel zu kommen, wurde vor drei Jahren eine Interessengruppe (IG) gegründet. Denn mit einer Kirchensanierung ist auch die Kommune überfordert. „Der Schlüssel für die Kirche hängt hier im Ort“, sagt Rostalsky und meint damit nicht den für die morsche Tür, sondern den symbolischen, der für das Schicksal der Kirchgemeinde und des Gotteshauses steht.

Bei der Suche nach einem Nutzungskonzept, das potenzielle Fördermittelgeber unterstützen würden, stand die im Vorjahr erfolgreich sanierte Kirche in Prensdorf quasi Pate. Denn obwohl die Niendorfer Gemeinde rund 40 Seelen zählt, sitzen bei den Gottesdiensten nur vier oder fünf Christen in den Bänken. Das Gotteshaus zur offenen Begegnungsstätte und zum Ort der Einkehr für Einheimische und Touristen zu machen, scheint der gangbarste Weg.

Große Pläne für eine lebendige Kirche

Bereits seid diesem Jahr steht die Tür der Kirche ganztägig offen. Chor- und Orgelkonzerte, Backofen- und Klemmkuchenfeste, Kunstausstellungen und klavierbegleitete Stummfilmabende gibt es bereits oder sind geplant.

Sobald die Fördermittelzusagen da sind, soll 2020 mit dem ersten von zwei Bauabschnitten begonnen werden. Neben Geld aus dem EU-Förderprogramm „Leader“ sind Zuschüsse der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Landeskirche angefragt. Auch Kommune, IG und Kirchenkreis beteiligen sich.

Von Uwe Klemens

Märkische Allgemeine vom 01. Oktober 2018

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