Steffenshagen

Ringanker soll Kirche sichern

Eigentlich sollte die herrliche Innenausmalung der Steffenshagener Dorfkirche (Dorfkirche des Monats November 2012) bis Ende 2018 eine Auffrischung erhalten, doch müssen jetzt erst einmal die Mauerrisse geschlossen werden.

Restaurator Konrad Dazr zeigt auf eine der Stellen, an denen der Putz noch aus dem Mittelalter, also der Bauzeit der Kirche von 1435, stammt.
Quelle: Bernd Atzenroth
Die Dorfkirche von Steffenshagen ist außen zum Teil eingerüstet - gerade laufen Restaurierungsarbeiten.
Quelle: Bernd Atzenroth
 
Tiefe Risse in den Wänden haben sich gebildet. Mit einem Ringanker soll nun die Kirchenkonstruktion gesichert werden.
Quelle: Bernd Atzenroth
 
Während der Arbeiten ist das Dach provisorisch gedeckt - schließlich soll die wunderschöne Innenausmalung keinen Schaden nehmen.
Quelle: Bernd Atzenroth

Steffenshagen Da freut sich der Restaurator wie der Denkmalpfleger: Bei den Arbeiten an der Kirche von Steffenshagen (Stadt Pritzwalk) ist an der Ostwand „ganz viel Geschichte“ freigelegt worden, wie es Steffenshagens Ortsvorsteherin margit Vogel formulierte. Mittelalterlicher Putz mit Doppelfugen befindet sich an dieser Wand, und das in einem erstaunlich guten Zustand. „Wir sind sehr froh, dass der Putz noch so vergleichsweise stabil ist“, sagt dazu Restaurator Konrad Dazr, „normalerweise sandet der viel mehr.“ Teilweise waren die Fügung aus der Bauzeit der Kirche im 15. Jahrhundert mit Zement überputzt, der jetzt lose abgeschlagen wurde. Konrad Dazr und sein Kollege Philipp Schubert sind jetzt dabei die Fugen zu verfestigen und hohle Stellen in der Wand mittels Spritzen und Kanülen mit Mörtel zu verfüllen. An den anderen drei Wänden wurde derlei Putz nicht gefunden. Philipp Schubert meinte dazu: „Das kann durchaus umlaufend gewesen sein, aber anderen anderen Wänden ist nichts da.“

Dabei haben die gesamten Arbeiten an der Kirche insgesamt einen anderen Verlauf genommen, als sich das Margit Vogel und der Kirchgemeinderat ursprünglich vorgenommen hatten. „Vor vielen Jahren wollten wir nur den Innenraum machen“, erzählt Margit Vogel. Die herrlichen Ausmalungen des Berliners Robert Sandfort sollten, so wies es der Förderbescheid auch aus, spätestens Ende 2018 in neuem Glanze erstrahlen – Margit Vogels Traum war es sogar, sie bereits zum Dorffest im September präsentieren zu können. Doch machten Risse in den Kirchenwänden und Probleme mit der Statik ein anderes Vorgehen nötig. Die Risse sind wohl entstanden, weil die Form des Dachs nach dem Brand in Kirche anno 1921 verändert worden war. „Die Kirche hatte einen ganz anderen Giebel“, erläutert Margit Vogel, „nach dem Brand wurde ein Walmdach aufgesetzt. Danach wirkten die Kräfte zur Seite.“ So war es nun wichtiger, die Kirche zu sichern, als im Innenraum weiter zu machen.

Die 90 000 Euro an Leaderförderung, die nun zur Verfügung stehen und 75 Prozent der veranschlagten Bausumme decken, werden erst einmal dafür verwendet. So wurde nun das Dach abgenommen, um nun ringsum einen Ringanker zu spannen, der dem Gebäude die nötige Stabilität geben soll. Für den Zeitraum dieser Arbeiten trägt die Kirche nun ein Notdach, das Dachdecker Marcel Lublow mit seinen Mitarbeitern aufgesetzt hat – man wollte jegliche Gefährdung für das Kircheninnere ausschließen.

Noch steht nicht fest, wie viel Geld dann noch für die weiteren Arbeiten im Innenraum zur Verfügung steht. Auf jeden Fall wird dies gegenüber den ursprünglichen Plänen eine abgespeckte Variante sein. „Mein Ziel ist es, so viele restauratorische Arbeiten im Innenbereich zu machen, wie es möglich ist“, sagt Margit Vogel. Innen werden auf jeden Fall die Risse verschlossen, durch die man nach der Dachabdeckung sogar nach außen schauen kann. Auf jeden Fall soll der Innenraum überall dort, wo er nicht kunstvoll ausgemalt ist, einen einheitlich warmen Anstrich erhalten.

Seit 2011 kümmern sich die Steffenshagener intensiv um ihre Kirche. Wolf-Dietrich Meyer-Rath vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin/Brandenburg war es, der sie dazu inspiriert hatte, dieses Vorhaben so intensiv zu verfolgen. Ein Konzept folgte 2012. Im Jahr 2015 wurde dann ein erster Bauabschnitt absolviert. Die Kirche wurde dabei zunächst begast, um den Holzwürmern den Garaus zu machen. Dann erhielt sie einen neuen Fußboden, auf dem nun die Kirchenbänke stehen. „Das war unser Konzept: die Kirche zur Stätte der Begegnung zu machen, sicherlich für kirchliche Zwecke, aber auch so, dass jeder das Innere genießen kann.“

Dass es jetzt im Innenraum noch nicht weitergehen kann, hat immerhin einen Vorteil: an Heiligabend kann um 18.30 Uhr ein Weihnachtsgottesdienst in der Kirche stattfinden. Und für kommendes Frühjahr wünscht sich Margit Vogel einen großen Einsatz des Dorfvereins im Kirchgarten.

Von Bernd Atzenroth

Märkische Allgemeine vom 02. Oktober 2018

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