Buchtipp des Monats

Die Heilandskirche am Port zu Sacrow

"Der König und die Prinzlichen Herrschaften kamen während der Sommermonate fast sonntäglich zum Gottesdienste, und dies veranlasste dann auch viele Bewohner Potsdams zum Kirchgang nach Sacrow. Gewöhnlich fuhren die Hohen Herrschaften in Booten über das blaue Havelbecken, wie denn auch die Potsdamer fast durchgängig in Gondeln und Kähnen zur Kirche fuhren." So berichtet Mitte des 19. Jahrhunderts ein Chronist über die "Heilandskirche am Port zu Sacrow".

Bereits im Jahre 1822 musste die alte Sacrower Kirche wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Seither nutzte die Gemeinde einen dafür hergerichteten bescheidenen Betsaal. Friedrich Wilhelm IV., der "Romantiker auf dem Königsthron", dem sowohl die religiöse Erziehung seiner Untertanen als auch die Gestaltung des Potsdamer Gartenreiches am Herzen lag, erwarb sofort nach seiner Thronbesteigung im Jahre 1840 das Gut Sacrow und beauftragte Ludwig Persius, am Ufer der Havel eine Kirche "im italienischen Styl mit einem Campanile daneben" zu errichten. Die Skizzen, nach denen sich der Architekt zu richten hatte, waren vom König selbst entworfen. Die feierliche Einweihung fand am 21. Juli 1844 statt. Entstanden ist ein architektonisches Juwel, das sich kongenial in die von Joseph Peter Lenné gestaltete Parklandschaft zwischen Babelsberg und Pfaueninsel, Neuem Garten und Glienicke einfügte.

Spätestens 1961 jedoch war es mit der Idylle vorbei. Nachdem es der Gemeinde nach dem Bau der Mauer noch möglich war, unter der Aufsicht bewaffneter Grenzsoldaten die Christvesper am Heiligen Abend in der Kirche zu feiern, wurde sie Mitte Januar 1962 endgültig geschlossen und verschwand hinter den Sicherungsanlagen. Die Folge waren Verfall und Vandalismus durch die Grenztruppen. Bereits Anfang der 1980er Jahre bestand akute Einsturzgefahr. Hilfe kam vom anderen Ufer der Havel - aus Westberlin. Der Regierende Bürgermeister Richard von Weizsäcker setzte sich für das Gotteshaus ein; die Stiftung Tagesspiegel stellte Gelder zur Verfügung. Bis 1985 waren so wenigstens umfangreiche Notsicherungsmaßnahmen möglich.

Nachdem am 9. November 1989 die Mauer gefallen war, fand wenige Wochen später, am Heiligen Abend der erste Gottesdienst nach genau 28 Jahren in dem nackten, aber festlich geschmückten Kirchenraum statt. Wenig später begann die umfassende Sanierung, die erst 2014 mit der Neuaufstellung von Taufe, Pult, Altar und Hochkreuz im restaurierten Innenraum ihren Abschluss fand.

Ein von der Kunsthistorikerin und Denkmalpflegerin Angelika Kaltenbach herausgegebenes Buch versammelt nun Beiträge verschiedener Autoren über die Entstehungsgeschichte der Heilandskirche und deren Ausstattung, ihre Einbettung in die Potsdamer Parklandschaft und ihre Instandsetzung und Wiederbelebung. Die Lektüre der reich bebilderten Publikation macht Lust auf einen erneuten Besuch des Gesamtkunstwerks Sacrow - bestehend aus Schloss, Park und Kirche.

Angelika Kaltenbach (Hg.): Die Heilandskirche am Port zu Sacrow. StraussEdition, Potsdam 2017; ISBN 978-3-943713-27-5; Euro 24,90

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