Bericht des Vorstandes des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. für die Jahre 2016/2017

vorgelegt und bestätigt auf der Mitgliederversammlung 2017 am 06.05.2017 im Gemeindesaal der Ev. Kirchengemeinde "Zur frohen Botschaft", Berlin-Karlshorst

Auch im Berichtsjahr 2016/2017 steht die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. (FAK) auf einer soliden Grundlage. Die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden konnten konstant gehalten werden, ebenso die Ausgaben für die satzungsmäßigen Ziele des Vereins - "die Erhaltung und Wiederherstellung alter gefährdeter Kirchen im Land Brandenburg und im Zuständigkeitsbereich der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) sowie ihrer ortsbildprägenden Umgebung im Sinne der Denkmalschutzgesetze" (siehe Vereinssatzung). Auch im vergangenen Jahr konnten zahlreiche Instandsetzungs- und Restaurierungsprojekte gefördert werden. Eine zunehmend wichtige Rollte spielt in diesem Zusammenhang unsere Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen (SBD).

Durch seine Regionalbetreuer kann der FAK seiner Aufgabe der Unterstützung und Vernetzung bürgerschaftlichen Engagements weiterhin gerecht werden. Eine intensive Öffentlichkeitsarbeit trägt dazu bei, die Problematik der Bewahrung und Instandsetzung von Kirchengebäuden und ihrer angemessenen Nutzung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe bewusst zu machen und dafür um Unterstützung zu werben. Der FAK sieht die "Kirche im Dorf" nicht als isoliertes Einzeldenkmal, sondern als wichtigen Bestandteil des jeweiligen Gemeinwesens und als geistigen und kulturellen Mittelpunkt des Ortes.

Der Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen setzt sich derzeit aus sieben stimmberechtigten ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen, die gleichzeitig noch weitere Aufgaben im Verein wahrnehmen.

Möglich ist unsere Arbeit langfristig nur durch die Unterstützung und das Engagement unserer aktiven Mitglieder und die dankenswerte Spendenbereitschaft unserer oft schon langjährigen Unterstützer. Ihnen gilt unser Dank!

1. Mitgliederentwicklung

Derzeit zählt der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. 629 Mitglieder (2016: 599), davon 425 (2016: 423) persönliche Mitglieder, 67 (2016: 37) Kirchengemeinden bzw. Kirchenkreise, 8 (2016: 9) Firmen sowie 129 (130) Vereine mit zumeist gegenseitiger kostenfreier Mitgliedschaft.

Durch die verstärkte Werbung von Kirchengemeinden, die durch ihre Mitgliedschaft unsere Arbeit begleiten und unterstützen, ist die Gesamtmitgliederzahl erfreulich gestiegen. Jedoch hat auch im vergangenen Berichtsjahr die Zahl der persönlichen Mitglieder, die wir durch Tod oder altersmäßig bedingte Kündigung der Mitgliedschaft aus dem FAK verloren haben, zugenommen. Noch war es möglich, dies durch die Gewinnung neuer Mitglieder zu kompensieren. Längerfristig ist es jedoch nötig, Strategien für die Werbung neuer und jüngerer Vereinsmitglieder zu finden. Dabei hoffen wir auch auf die Unterstützung unserer langjährigen Wegbegleiter.

2. Finanzen

Das zurückliegende Finanzjahr 2016 war für den FAK erfolgreich. Wie dem Jahresabschluss zu entnehmen ist, konnten Einnahmen in Höhe von 193.525,04 Euro verbucht werden, davon mehr als 74.000 Euro an allgemeinen und mehr als 19.000 Euro an zweckgebundenen Spenden. Zugenommen hat im vergangenen Jahr die Zahl der Spenden, die wir aus Anlass von Trauerfeiern für verstorbene Mitglieder und Unterstützer erhielten. Dafür möchten wir sowohl den Hinterbliebenen als auch den Spendern danken. Dankbar sind wir auch dafür, dass die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) uns alle zwei Jahre eine landesweite Kollekte zukommen lässt. Freie Kollekten erhielten wir zunehmend auch aus einzelnen Gemeinden, die uns dadurch die Wertschätzung unserer Arbeit vermitteln.

An direkten Projekthilfen konnten etwa 95.800 Euro ausgereicht werden, die in den allermeisten Fällen durch Kofinanzierungen die Einwerbung weiterer Fördermittel ermöglichten. Zudem konnte der FAK durch seine Regionalbetreuer bedeutende Finanzmittel akquirieren bzw. vermitteln, die direkt an Kirchengemeinden oder Fördervereine weitergeleitet wurden.

Auch in Zukunft wird der FAK die ihm anvertrauten Gelder effektiv und verantwortungsvoll verwalten und einzusetzen, um weiterhin substantielle Hilfe zur Erhaltung, Instandsetzung und angemessenen Nutzung von Kirchengebäuden zu leisten. Die Rücklagen des Förderkreises Alte Kirchen konnten bei einem geplanten Minus von etwas über 6.000 Euro nahezu konstant gehalten werden und bieten dadurch Sicherheit für die kommenden Jahre. Durch längere Planungsabläufe der Kirchengemeinden und Fördervereine für die Einwerbung von Fördermitteln und die Vorbereitung größerer Bauabschnitte ist es auch für uns zunehmend nötig geworden, finanzielle Zuwendungen zuzusagen, die erst im kommenden Geschäftsjahr abgerufen und ausgereicht werden. Dadurch entsteht jeweils ein Liquiditätsüberhang, der von uns zeitweise anderweitig genutzt, aber im Jahresverlauf planungsgemäß eingesetzt wird. Weiterhin müssen die notwendigen Personalkosten für den Geschäftsführer und die Referentin (jeweils 50%-Stelle) aus den Gesamteinnahmen des FAK finanziert werden, ohne dass es dafür nennenswerte externe Zuschüsse gibt. Für die Zukunft ist es deshalb notwendig, zusätzliche Einnahmemöglichkeiten zu erschließen, um unsere Tätigkeit im gewohnten Umfang fortsetzen zu können.

3. Fördermaßnahmen

Im vergangenen Jahr konnte der Förderkreis Alte Kirchen unter anderem folgende Projekte unterstützten:

Aus Zinserträgen unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen (SBD) konnten 2016 folgende Maßnahmen mit jeweils 3.000 Euro unterstützt werden:

Die gemeinsam mit dem Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg e.V. (VdMK) veranstaltete Konzertreihe "Musikschulen öffnen Kirchen" wurde mit einem Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro unterstützt. Für die Neuauflage des Buches "Kirchen und Kapellen in der Prignitz" von Wolf-Dietrich Meyer-Rath konnte der FAK einen Druckkostenzuschuss aus zweckgebundenen Spenden sowie aus Zuwendungen der Studienstiftung Dr. Uwe Czubatynski in Höhe von 1.775 Euro ausreichen.

Ein großer Erfolg ist die seit mehreren Jahren gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege (BLDAM) und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) initiierte Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe!". Aus zweckgebundenen Spenden im Rahmen dieser Aktion konnten im vergangenen Jahr 13.781,58 Euro für die Restaurierung der historischen Schnitzfiguren des Prospektes der ehemaligen Scherer-Orgel von 1573 aus der St. Marienkirche in Bernau (BAR) sowie 6.313,50 Euro für die Restaurierung des mittelalterlichen Schnitzaltars aus der Stadtpfarrkirche in Ruhland (EE) ausgereicht werden. Der aktuelle Spendenaufruf gilt einem Epitaphgemälde aus der Dorfkirche Blankensee (TF), das auf der diesjährigen Ausstellung zum 500. Reformationsjubiläum im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) in Potsdam präsentiert werden soll.

Seit seiner Gründung im Mai 1990 konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg insgesamt etwa 1,7 Millionen Euro an direkten Projektzuschüssen für die Sicherung, Instandsetzung und Sanierung von Kirchenbauten und für die Restaurierung wertvoller Ausstattungsstücke ausreichen. Dafür danken wir herzlich allen Mitgliedern, Spendern und Unterstützern!

4. Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen

Unsere Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen (SBD), gegründet 2008, konnte ihr Vermögen von ursprünglich 58.500 Euro auf inzwischen etwa 526.000 Euro erhöhen. Aus den Erträgen konnten für bisher sechzehn Projekte des FAK insgesamt 46.350 Euro zur Verfügung gestellt werden. (zu den Förderungen 2016 siehe Punkt 3.). Wir danken allen bisherigen Zustiftern und bitten um freundliche Unterstützung beim weiteren Aufbau der Stiftung.

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg wird im Stiftungsvorstand durch Arnulf Kraft und Dr. Hans Krag vertreten, die Siftung KiBa durch ihren Geschäftsführer Martin Ammon sowie durch Reinhard Greulich.

5. Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements

Im vergangenen Jahr 2016 stand der alljährliche Tag des offenen Denkmals unter dem Motto "Gemeinsam Denkmale erhalten". Die zentrale Eröffnungsveranstaltung dazu fand am 11. September in der Dorfkirche Brügge (Prignitz) statt. Im Jahr zuvor hatte der Gastgeber, der Förderverein Persiuskirche Brügge, für sein Engagement zur Instandsetzung der maroden Kirche bereits den Brandenburgischen Denkmalpflegepreis erhalten. Landeskonservator Dr. Thomas Drachenberg zog bei der Veranstaltung eine hoffnungsvolle Bilanz: "Der Verein hat nicht nur die Kirche, sondern auch die Gemeinde repariert."

Ohne die enge Zusammenarbeit mit den mehr als 300 lokalen Fördervereinen wäre die Tätigkeit des Förderkreises Alte Kirchen in diesem Umfang nicht möglich. Durch die Regionalbetreuer des FAK besteht ein enger und zuverlässiger Kontakt zu Kirchen-Fördervereinen, Kirchengemeinden und regionalen Institutionen. Dabei findet ein kontinuierlicher Erfahrungsaustausch statt, von dem auch unser Verein profitiert.

Wie bereits seit sechzehn Jahren hat der FAK auch im vergangenen Jahr neu gegründete Initiativen mit einem "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" in Höhe von jeweils 2.500 Euro ausgezeichnet. Die feierliche Preisverleihung, verbunden mit einer Exkursion zu weiteren Kirchen der Region, fand am 16. September in Gollwitz (Potsdam-Mittelmark) statt. Der dortige Verein gehörte zu den Preisträgern des Vorjahres.

2016 gingen die Preisgelder an folgende drei Vereine:

Gastgeber für die Preisverleihung in diesem Jahr wird am 22. September der Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Landin e.V. sein.

Die Regionalbetreuung wird von folgenden Vorstands- und Vereinsmitgliedern wahrgenommen: Uwe Donath (Märkisch Oderland, Oder-Spree), Bernd Janowski (Uckermark), Dr. Hans Krag (Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz), Arnulf Kraft (Havelland), Carsten Lange (Barnim), Wolf-Dietrich Meyer-Rath (Prignitz), Konrad Mrusek (Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin), Hans Tödtmann (Potsdam-Mittelmark / Nord), Jürgen Türk (Spree-Neiße) und Theda von Wedel-Schunk (Potsdam-Mittelmark / Süd). Leider ist es uns noch immer nicht gelungen, für das Gebiet der schlesischen Oberlausitz einen Regionalbetreuer zu finden, so dass diese Region derzeit noch vakant ist.

6. Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen

Bereits bei seiner Gründung formulierte der FAK mit dem Motto "Alte Kirchen - Retten, Erhalten, Nutzen" sein Ziel, die Kirchengebäude über die widmungsgemäße Nutzung zu Gottesdiensten und kirchlichen Anlässen hinaus auch für kulturelle Veranstaltungen zu öffnen.

Ein wichtiger Beitrag dazu ist die gemeinsam mit dem Landesverband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg e.V. initiierte und veranstaltete Konzertreihe "Musikschulen öffnen Kirchen", die im vergangenen Jahr bereits in ihre zehnte Saison gehen konnte. Sie ist inzwischen zu einem anerkannten Bestandteil der brandenburgischen Kulturlandschaft geworden. 2016 fanden insgesamt 73 Konzerte von Musikschülern statt. Die Spenden und Kollekten wurden wie in den Vorjahren in voller Höhe den gastgebenden Kirchengemeinden und / oder Fördervereinen für konkrete Instandsetzungs- und Restaurierungsprojekte zur Verfügung gestellt. Schirmherrin der Reihe "Musikschulen öffnen Kirchen" ist die brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Sabine Kunst. Auch der diesjährige Programmplan sieht wieder mehr als siebzig Konzerte der Reihe vor.

Erfreulich war, dass nach mehrjähriger finanziell bedingter Pause der Verein "Theater in der Kirche" e.V. wieder mit einer szenischen Lesung der Erzählung "Peter Schlemihls wundersame Geschichte des Schriftstellers Adelbert von Chamisso mit musikalischer Begleitung auf Tournee durch acht Kirchen in Brandenburg und Berlin gehen konnte.

Seit mehreren Jahren veranstaltet die Stiftung Zukunft Berlin in Zusammenarbeit unter anderem mit dem Förderkreis Alte Kirchen unter dem Motto "Nachbarn bei Nachbarn" Lesungen in Dorfkirchen, die auch der Begegnung von Menschen aus Berlin und den brandenburgischen Veranstaltungsorten dienen sollen.

7. Öffentlichkeitsarbeit

Neben der konkreten Unterstützung von Instandsetzungs- und Restaurierungsprojekten sieht es der Förderkreis Alte Kirchen als wichtige Aufgabe an, die zahlreichen historischen Kirchengebäude des Landes in ihrer Schönheit und ihrer historischen Bedeutung, aber auch in Ihrer Gefährdung einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen.

Wichtigstes Medium dafür ist die Jahreszeitschrift "Offene Kirchen", die in diesem Jahr bereits zum achtzehnten Mal erschien. Die Zahl der im Adressteil verzeichneten geöffneten Kirchen ist erstmals auf über 1.000 gestiegen. Dies zeigt, dass die im Jahr 2000 vom FAK initiierte Aktion "Offene Kirchen" sich inzwischen dauerhaft etabliert hat und immer mehr Gemeinden, Vereine und vor allem ehrenamtliche Schlüsselbewahrer motiviert, sich zu beteiligen. Der redaktionelle Teil widmet sich in diesem Jahr in mehreren Beiträgen dem 500. Reformationsjubiläum, hält darüber hinaus jedoch auch wie gewohnt weitere Artikel zur Geschichte, Kunstgeschichte und Denkmalpflege brandenburgischer Kirchenbauten bereit. Die Textbeiträge und Fotos für die Jahresbroschüre werden von den Autoren fast ausschließlich kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auch die redaktionelle Arbeit und das Lektorat erfolgen ehrenamtlich. Dem jährlichen, sehr aufwändigen Vertrieb der Zeitschrift an die Verkaufsorte widmen sich - ebenfalls ehrenamtlich - Mitglieder des FAK. Allen Beteiligten sei an dieser Stelle dafür herzlich gedankt! Die Zeitschrift "Offene Kirchen" stellt unser wichtigstes Medium bei der Einwerbung von Spenden und bei der Gewinnung neuer Mitglieder dar. Da wir keinerlei öffentliche Zuschüsse für die Finanzierung der Herstellungskosten erhalten, sind wir dankbar für Hinweise auf neue Vertriebsmöglichkeiten.

Für die Mitglieder, Spender und Unterstützer erscheint verlässlich drei Mal im Jahr unser Mitteilungsblatt "Alte Kirchen", nun unter der redaktionellen Verantwortung von Elke Kreischer, das ausführlich über die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen informiert. Der ausführliche und informative Internetauftritt des FAK wird in bewährter Weise von Rainer Marx betreut. Zudem erscheint monatlich ein elektronischer Infobrief mit aktuellen Informationen, Veranstaltungshinweisen und der jeweiligen Vorstellung einer "Dorfkirche des Monats". Zur Mitglieder- und Spendenwerbung wurde ein neues Faltblatt des Förderkreises Alte Kirchen erstellt.

Darüber hinaus war der FAK durch seine Vorstandsmitglieder, den Geschäftsführer und die Regionalbetreuer weauf mehreren Tagungen und anderen Veranstaltungen durch Vorträge und andere Beiträge vertreten. Zu vielen Gelegenheiten wurde ein Informations- und Bücherstand des FAK betrieben.

8. Exkursionen

Auch 2016 bot der Förderkreis Alte Kirchen seinen Mitgliedern und Unterstützern sowie weiteren Interessierten mehrere Busexkursionen an, die sich neben kunsthistorischen Führungen und musikalischen Darbietungen auch mit Fragen der Erhaltung, Instandsetzung und angemessenen Nutzung der Kirchengebäude befassten und aktuelle Förderprojekte des FAK vorstellten. So führten Fahrten:

9. Ausblick

Im vergangenen Jahr 2016 widmeten sich zwei landesweite Veranstaltungen des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege dem Thema Dorfkirchen. Das jährliche Facharbeitsgespräch unter dem Titel "Die Brandenburgischen Dorfkirchen - Erfassen und Erhalten" am 22. Juni in Wünsdorf beschäftigte sich vorwiegend den praktischen Aspekten der kirchlichen Denkmalpflege. Dagegen stellte der Brandenburgische Denkmaltag im Paulikloster der Stadt Brandenburg an der Havel am 4. November unter dem Motto "Brandenburgische Kirchen im Wandel" die konkrete Frage nach der Zukunft unserer Kirchengebäude in Zeiten fortschreitenden demographischen Wandels und zunehmender Säkularisierung. An der Vorbereitung und Durchführung des Denkmaltages war wesentlich auch der Förderkreis Alte Kirchen beteiligt. Erfreulich ist, dass durch Bischof Dr. Markus Dröge und Konsistorialpräsident Jörg Antoine die Evangelische Landeskirche und durch Kulturministerin Dr. Martina Münch auch die Landesregierung prominent vertreten waren. Bei der Veranstaltung wurde unter anderem ein dauerhaftes "Brandenburgisches Gespräch" als permanentes Diskussionsforum über die Zukunft der Kirchengebäude im ländlichen Raum gefordert.

Wichtigstes Ziel des FAK bleibt die Erhaltung und Wiederherstellung von historischen Kirchengebäuden und ihrer ortsbildprägenden Umgebung. Auch wenn in den in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht wurde, um gravierende Bauschäden zu beseitigen, gibt es auf diesem Gebiet weiterhin viel zu tun. Darüber hinaus besteht erheblicher Nachholbedarf bei der Konservierung und Restaurierung des oft wertvollen historischen Inventars der Kirchengebäude. Die weitaus meisten Kunstgegenstände des Landes Brandenburg befinden sich in Kirchengebäuden. Aufgrund der Schäden am Baukörper wurden und werden Ausstattungsstücke von vielen Fördermittelgebern nicht berücksichtigt. Die gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz initiierten jährlichen Aktionen "Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe" erbringen nicht nur erhebliche Spenden für konkrete Projekte, sondern schärfen zudem das Problembewusstsein für die Bewahrung wertvoller Kulturgüter. Neu aufgenommen in seine Satzung hat der FAK die Bewahrung von Synagogen und jüdischen Gedenkorten.

Mit dem Projekt "Offene Kirchen" trägt der FAK dazu bei, Kirchengebäude über die Kerngemeinde hinaus zugänglich zu machen und zu öffnen. Darüber hinaus unterstützt der Förderkreis kulturelle Aktivitäten und Projekte zur angemessenen Nutzungserweiterung von Kirchengebäuden. Nach Möglichkeit sollen die Kirchengebäude als Gottesdiensträume ihrer jeweiligen Gemeinde erhalten bleiben, jedoch für kulturelle, soziale und eventuelle kommunale Nutzungen geöffnet werden, um ihre Bedeutung als ideellen Mittelpunkt des Ortes zu behalten und zu stärken. Hier sind - gemeinsam mit Partnern in den Kirchengemeinden, Fördervereinen und Kommunen - Kreativität, Offenheit, aber auch Sensibilität gefragt.

Zunehmend wird sich uns die Frage stellen, wie langfristig mit Kirchengebäuden umzugehen ist, die nicht mehr bzw. nur noch selten genutzt werden. Die Zahl der Gemeindeglieder nimmt vielerorts weiter ab. Durch Fusionen werden die Pfarrsprengel und Kirchenkreise gleichzeitig größer und unübersichtlicher. In etlichen Regionen droht bereits jetzt Pfarrermangel. Die sich daraus ergebenden Probleme für die Kirchengebäude betreffen nicht nur die Institution Kirche in allen ihren Gliederungen, sondern sollten auch als denkmalpflegerische, soziokulturelle und damit gesamtgesellschaftliche Probleme gesehen werden. Der Förderkreis Alte Kirchen sieht es als seine Aufgabe an, sich an einem breiten Dialog zwischen Kirche und Politik, Denkmalpflege und bürgerschaftlichem Engagement über die Zukunft unserer sakralen Kulturlandschaft zu beteiligen.

Das kommende Jahr 2018 wurde von der Europäischen Kommission zum "Europäischen Kulturerbejahr" erklärt. Die Koordination in Deutschland dafür liegt beim Deutschen Nationalkomitee für Denkmalpflege (DNK). In den Ausschreibungen für das Ereignis werden die "gemeinsamen antiken und humanistischen Wurzeln" Europas gewürdigt. Das christliche Kulturerbe und auch die Baudenkmäler anderer Religionen werden in den Positionspapieren bislang leider nicht erwähnt. Der Uwe Otzen und Angus Fowler haben auf der Grundlage eines gemeinsamen Antrages mit mehreren überregionalen Fördervereinen und Institutionen das DNK gebeten, das ehrenamtliche Engagement zur Bewahrung der Kirchengebäude zu würdigen und zu unterstützen. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. sieht es als seit der Gründung seine Aufgabe an, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass gerade auch die große Zahl historischer Stadt- und Dorfkirchen zum europäischen Kulturerbe gehört.

In einer Zeit, in der der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft zu schwinden droht, wächst die Bedeutung der Kirchengebäude als Orte der Selbstvergewisserung und Identifikation. Ihre Bewahrung als nahezu letzte verbliebene nicht-kommerzielle Räume sollte uns eine Verpflichtung sein.

Wir hoffen auch in Zukunft auf Ihre bewährte Unterstützung unserer schönen und wichtigen Arbeit.

Der Vorstand
Berlin, April 2017

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