Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg

Vortrag von Bernd Janowski auf der Festveranstaltung "20 Jahre Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V." am 8. Mai 2010 in der Friedenskirche Potsdam-Sanssouci

Bernd Janowski ist Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.

Liebe Freunde der brandenburgischen Dorfkirchen,

lassen Sie mich zu Beginn meines kurzen Rückblicks einige Verse des Dichters Detlev von Liliencron zitieren, die etwa einhundert Jahre vor der Gründung unseres Vereins entstanden:

Trefflich singt der Küster vor,
trefflich singt auch die Gemeinde.
Auf der Kanzel der Pastor
betet still für seine Feinde.

Dann die Predigt wunderbar,
eine Predigt ohne Gleichen.
Die Baronin weint sogar
im Gestühl, dem wappenreichen.

Amen, Segen, Türen weit,
Orgelton und letzter Psalter
Durch die Sommerherrlichkeit
schwirren Schwalben, flattern Falter.

Die in diesen wenigen Zeilen heiter-ironisch vermittelte Gewissheit einer heilen Welt rund um die Kirche im Dorf existiert nicht mehr. Und sie existierte auch bereits nicht mehr, als sich am 3. Mai 1990 etwa 35 Menschen zusammenfanden, um im damaligen Clubhaus des "Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands" in der Jägerstraße 2, bis 1945 und heute wieder Sitz des "Clubs von Berlin", einen Verein zu gründen, der sich die Erhaltung, Instandsetzung und Nutzung der Dorfkirchen in den ländlichen Gebieten des (damals noch gar nicht wieder existierenden) Landes Brandenburg in die Satzung schrieb.

Wichtige Hilfe erhielten wir damals durch den Förderkreis Alte Kirchen Marburg e.V. Für mich unvergesslich bleibt, dass der hessische Förderkreis damals als Vertreter einen Franzosen und einen Schotten zu uns schickten. Der Schotte blieb uns dankenswerterweise bis heute erhalten. Angus Fowler wird im Laufe des Nachmittages ebenfalls einige Worte an uns und an Sie richten.

Zu Beginn der neunziger Jahre gab es in der BILD-Zeitung einen Artikel über brandenburgische Dorfkirchen mit der dramatischen Überschrift: "Über 200 Dorfkirchen akut vom Einsturz bedroht!"

Wenn wir heute an den Zustand einer Vielzahl von Sakralbauten in der sogenannten Wendezeit 1989/90 zurückblicken, erscheint vieles, was inzwischen geschehen ist, wie ein Wunder: zahlreiche marode Dachstühle wurden repariert, Kirchendächer neu gedeckt, Fundamente trockengelegt und sogar längst aufgegebene Kriegs- und Nachkriegsruinen wieder aufgebaut. Über Jahrzehnte verstummte Orgeln wurden wieder zum Klingen gebracht, Altäre und Taufengel restauriert und verlorene Glocken neu gegossen.

Allerdings geschehen in der heutigen Zeit Wunder nicht mehr von allein und auch nicht mehr ausschließlich als Ausdruck des Heilshandelns Gottes. Es braucht immer Menschen, die bereit sind, die Kirche im Dorf zu lassen.

Da ich am heutigen Nachmittag nicht der einzige Redner bin, kann ich nur in Stichpunkten einige Stationen aus der Geschichte des Förderkreises Alte Kirchen Revue passieren lassen:

Messdunk, wo wir erstmals merkten, dass es nicht genügt, ein Kirchengebäude instand zu setzen, wenn niemand da ist, der es nutzt.

Wust, wo wir dankbar erfuhren, dass Kirchenbau auch Gemeindebau ist.

Saaringen: Ein von uns initiierter Verein übernahm nach einem Abrissantrag die Kirche in sein Eigentum und sanierte sie vorbildlich. Zur Wiedereinweihung stimmte eine Frau, die wegen des geplanten Abbruches aus der Kirche ausgetreten war, einen Choral von Paul Gerhardt an.

Milow: Die Sparkasse in der ehemaligen Leopoldsburger Kirche. Noch heute weiß ich nicht, welches Gefühl in mir überwiegt: die Freude über die gerettete Gebäudehülle oder der Ärger darüber, dass genau an der Stelle, wo sich früher der Altar befand, heute ein Geldautomat steht.

Küstrinchen: Die Rettung der bereits aufgegebenen Dorfkirche von Küstrinchen gehört für mich persönlich zu den schönsten Erlebnissen im Zusammenhang mit unserer Arbeit. Hier war und ist es tatsächlich die gesamte Dorfgemeinschaft, die sich geschlossen am Wiederaufbau beteiligte und die Kirche heute für Gottesdienste, Konzerte und Dorffeste nutzt.

Malchow: Für die Notsicherung der vom Einsturz bedrohten Kirche wurden wir vom zuständigen Superintendenten kritisiert. Er konstatierte, dass wir Geld in ein Gebäude investieren, das für die Verkündigung nicht mehr benötigt wird. Zur Zeit entsteht in Malchow mit Mitteln der Europäischen Union ein kirchenmusikalisches Zentrum für die Region. An der Kofinanzierung beteiligt sich wiederum der FAK. - Malchow ist ein gutes Beispiel dafür, Kirchen, die derzeit nicht gebraucht werden, in den zeitweiligen Wartestand zu versetzen und ihnen langfristig eine Chance zu geben, von engagierten Menschen wieder mit Leben erfüllt zu werden.

Groß Fredenwalde: Die bereits zugesagten Mittel für die Sanierung dieser Kirche aus dem Bundesprogramm "Dach und Fach" wurden nach Streichung dieses Förderinstrumentes 2003 nicht ausgezahlt. Trotzdem ist es gelungen, das Gebäude umfassend instand zu setzen.

Alt Krüssow: Nach langem Ringen gelang es, einen Förderverein für die wunderbare ehemalige Wallfahrtskirche zu gründen und mit der Restaurierung der mittelalterlichen Backsteinkirche zu beginnen.

Groß Döbbern: Vor einigen Jahren gab es im Rahmen einer Mitgliederversammlung eine heftige Diskussion darüber, ob sich die Instandsetzung eines historischen Pfarrhauses aus dem 18. Jahrhundert mit unserer Satzung verträgt. Die Antwort lautete: Ja.

Durch unsere Aktion "Menschen helfen Engeln" konnten in den letzten Monaten die barocken Taufengel aus Löhme, Rohrbeck, Wismar und Groß Breesen restauriert werden.

Weitere Beispiele müssen aus Zeitmangel unterbleiben; ich möchte nur noch einige Ortsnamen erwähnen, die vielen von Ihnen etwas bedeuten: Bölzke, Briesen, Buckow, Cöthen, Gadow, Gollmitz, Heinsdorf, Kreuzbruch, Lebusa, Wulkow bei Neuhardenberg, Zernikow ...

Alle nicht Genannten mögen mir verzeihen. Die Aufzählung ist willkürlich und unvollständig. Jeder unserer Regionalbetreuer könnte zahlreiche weitere Ortsnamen hinzufügen.

Bis zum heutigen Tage konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg etwa 700.000 Euro an Fördermitteln für 162 Kirchen ausreichen, darunter 125.000 Euro als Startkapital für 55 neu gegründete Fördervereine.

Vor knapp zwei Jahren haben wir - unter dem Dach der KiBa - eine eigene Stiftung brandenburgische Dorfkirchen ins Leben gerufen, die gegenwärtig über ein Stiftungsvermögen von ca. 121.000 Euro verfügt und aus deren Zinsen in diesem Jahr mit der Sicherung der Kirchenruine in Hirschfelde und der Sanierung der Kirche in Selbelang bereits die ersten Projekte gefördert werden können.

Schon auf unserer Gründungsversammlung stellten wir die Arbeit des Förderkreises unter das Motto: "Gefährdete Kirchen - Retten, Erhalten, Nutzen". Und zur Nutzung einer Kirche gehört bereits, dass sie geöffnet ist. Der Theologe Andreas Nohr stellte die Frage: "Muss eine Kirche immer geöffnet haben?" und liefert auch gleich die Antwort auf diese Frage: "Nein, nachts nicht." Unbescheiden glaube ich sagen zu dürfen, dass der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg mit seiner im Jahr 2000 ins Leben gerufenen Aktion "Offene Kirchen" und der gleichnamigen Broschüre deutschlandweit eine Vorreiterrolle spielte.

Mit Projekten wie "Theater in der Kirche", "Musikschulen öffnen Kirchen" oder der von der Bundeskulturstiftung geförderten Aktion "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen" ist es gelungen, Menschen für unsere Kirchen zu interessieren, die nicht zur Kerngemeinde zählen. Durch behutsame Nutzungserweiterungen ist es in vielen Fällen möglich, die Kirche im Dorf zu lassen.

Dabei stellt die Öffnung von Kirchen für andere als gottesdienstliche und kirchengemeindliche Nutzungen für uns und für alle Beteiligten auch einen spannenden Lernprozess dar. In jedem Einzelfall ist zu klären, was sich mit der Würde eines sakralen Raumes verträgt. Fragen von Pfarrern und Pfarrerinnen wie zum Beispiel "Dürfen zu einem Konzert mit klassischem Tanz die Altarkerzen angezündet werden?" oder "Dürfen vor einem Jazzkonzert die Glocken geläutet werden?" zeigen, dass auf diesem Gebiet durchaus noch Unsicherheiten vorhanden sind, die ernst genommen werden müssen.

Zusammenfassend lässt sich mit Stolz sagen, dass die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg durchaus einer Erfolgsgeschichte darstellt. Noch gibt es viel zu tun, aber ich glaube sagen zu dürfen, dass unsere Kirchengebäude flächendeckend noch nie in so einem guten Zustand waren wie heute. Und daran haben viele einen Anteil: unsere Landeskirche, die Kirchenkreise und -gemeinden, Bund, Land, Landkreise und Kommunen, die Institutionen der Denkmalpflege und zahlreiche Stiftungen. Herausheben möchte ich zwei Gruppen.

Das ist zum einen die große Zahl der mehr als 10.000 Ehrenamtlichen in über 260 Kirchbauvereinen im Land. Bei Ihnen möchten wir uns heute in besonderer Weise bedanken für eine Zusammenarbeit, der wir im gegenseitigen Geben und Nehmen eine gedeihliche Zukunft wünschen!

Und das ist zum anderen die große Zahl der Mitglieder und Freunde unseres Förderkreises, die uns mit Spenden und tatkräftiger Hilfe über zwanzig Jahre hinweg begleitet haben. Auch Ihnen einen großen Dank. Bleiben Sie uns weiterhin gewogen!

Diese Gemeinschaft von Menschen - die "Kirchenretter" vor Ort und die Dorfkirchenfreunde, Spender, Sponsoren und Unterstützer in Brandenburg, Berlin und ganz Deutschland stellen den größten Reichtum unserer sakralen Kulturlandschaft dar. Und zur Schaffung dieser Gemeinschaft einen Beitrag geleistet zu haben, ist wohl der größte Erfolg der zwanzigjährigen Tätigkeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg.

Das Bemühen um die Zukunft unserer Kirchengebäude stellt keinen Selbstzweck dar. Es ist als klares Zeichen gegen einen wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und geistigen Erosionsprozess zu verstehen, von dem vor allem die peripheren ländlichen Gebiete betroffen sind. Sanierte und (gottesdienstlich und kulturell) genutzte Kirchen als Zeichen der Hoffnung. - Auf diesem Wege haben wir viel erreicht. Auf diesem Wege bleibt jedoch auch noch viel zu tun!

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